homolka_reist

45°86’N+7°93’O

18. Jänner 2018, 10.42
Alagna Valsesia, Vercelli, Piemont

Ich weiß ja nicht wie´s Ihnen geht, aber ich frage mich schon immer wieder was unsere Vorfahren geritten haben mag, als sie sich, im Zuge der Völkerwanderung von Süden kommend, angesichts des verschneiten Alpenhauptkammes gesagt habe: „Super, da gehen wir jetzt auch noch rüber!“ Also ich hätte gemeutert, genau wie offensichtlich jene, aus denen dann die Italiener geworden sind. Sie kamen aus der Po-Ebene ins Tal der Sesia, aber wahrscheinlich gar nicht so weit herauf, zu kalt, zu eng, zu feucht war es ihnen am Fuß des Monte Rosa, während unten Frutta und Verdura locken. Recht ham´s ghabt!

Warum dann aber dieses Kircherl unter Felswänden mitten im Schnee steht? Berechtigte Frage! Die überraschende Antwort lautet, dass sich ausgerechnet ein germanischer Stamm, Alemannen, um genau zu sein, vor 100 Jahren dieses Irrweges bewusst wurde, spät aber doch. Okay, zu spät, die fruchtbaren Täler waren schon vergeben als die sogenannten Walser neuen Siedlungsraum suchten, nur le Valais, das Wallis war noch übrig geblieben, als sie sie ans sesshaft werden dachten. Das Tal des Rotten, Sie kennen den Fluss wohl eher als Rhone, ist recht fruchtbar, aber nicht wirklich besonders geräumig, die Almen hoch, der Auftrieb steil. Also haben die Walser, erst mal oben, einen Blick auf die andere Seite riskiert und festgestellt: hurra, im Süden ist´s noch schöner!

Und die Konkurrenz geringer. Weil zum Beispiel im Falle von Alagna, welches Sie nebenan sehen, nur einen guten Tagesmarsch die Sesia hinunter bereits die Poebene lockt, fruchtbar, flach und frostfrei. Und rein italienisch, Deutsch ist nur über die Berge eingesickert, kaum, dass man sich normal fortbewegen kann findet man keine Spur vom holprigen nordischen Idiom mehr, faszinierend. Dafür umso mehr Spuren italienischer Lebenslust, die Hauptstadt der Region Vercelli gilt gemeinhin als Welthauptstadt des Risotto, nicht viel weiter ist´s nach Mailand, bekannter Massen Nabel der Welt in Sachen Stil und „fare bella figura“, wir Wiener würden einedrah´n dazu sagen.

Dafür eignet sich, wie wir nur zu gut wissen, la moto besonders gut, das Motorrad ist nun mal der Gaul des modernen Ritters, und was ein echter Bursch ist lässt sich auch von alemannischer Witterung nicht abschrecken. Nicht mal der Mailänder, und so pilgert alljährlich Ende Jänner eine Horde Unentwegter aus Mailand und dem Rest der Welt nach Alagna um sich am Ice Rosa Ring auf Schnee und Eis auszutoben. Das Reglement ist recht weitmaschig, nur die Räder sollten ordentlich abgedeckt sein, ohne Spikes geht nämlich gar nix. Mit dafür umso mehr, selbst Harley und MV Agusta spielen dann mit, eine rechte Gaudi, nicht nur für Alemannen!

www.alagna.it/en/winter/ice-rosa-ring/

W432_KULT-reisebildALAGNA.pdf

Dieser Beitrag wurde am 2019/01/24 um 14:33 veröffentlicht. Er wurde unter italien, piemonte, `WIENER´ abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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