homolka_reist

langer atem

Das obere Drautal kennt man eher nur vom Durchfahren, nach Südtirol etwa, zum Törggelen vielleicht. Dabei könnte man genau das auch hier, viel näher haben, und noch eine ganze Menge obendrein!

Schon die Anreise ist ein Vergnügen, egal ob man sich von Ostösterreich aus durchs Murtal mit dem Automobil nähert, oder, noch besser, sich von der Bundesbahn entspannt durch die Berge chauffieren lässt. Das klappt sogar ohne Umsteigen, der Direktzug biegt bei Möllbrücke vom Unteren ins Obere Drautal ab, dann wird es landschaftlich gleich noch mal eine Kategorie romantischer. Und architektonisch erst! Sogar auf die breite Schnellstraße hat man oberhalb von Greifenburg verzichtet. Wobei eigentlich ein Rasthofbesitzer seine privilegierte Stellung nicht aufgeben und keinen Grund für die Trasse hergeben will, auch kein Problem, noch ist der Verkehr hier überschaubar, zumal in der Nebensaison.

Doch wozu Autofahren, die Schnellbahn bringt einen genau so gut ans Ziel und man kann sich ganz aufs Bewundern der Landschaft konzentrieren. Hat man den Glocknerhof in Berg im Drautal als Logis gewählt muss man allerdings seinen „Haltewunsch“ mittels Druckknopf an den Lokomotivführer übermitteln. Prompt hält der Zug in der kleinen Station zwischen Drauufer und Ortseinfahrt, Herr Seywald wartet schon neben seinem schwarzen Mercedes und schickt ein freundliches Grinsen zur Begrüßung, der Fahrgast ist auch seiner, Verwechslung ausgeschlossen, die anderen zwei kennt er schließlich persönlich. Rasch geht es in sein Hotel, könnte man auch zu Fuß schaffen, Kärntner Gastfreundschaft lässt dies aber nicht zu.

Erstaunlich voll präsentiert sich der Parkplatz neben dem ausladenden Haus am Hang, die meisten Autos tragen deutsche Kennzeichen, einige der Besitzer outen sich mittels Sticker als Modellflieger. „Die thermischen Verhältnisse bei sind bei uns im Tal wegen dessen West-Ost Ausrichtung dafür hervorragend geeignet“, erklärt Herr Seywald, „wir haben uns diese Nische zunutze gemacht, um in der Nebensaison das Haus zu füllen!“ Clevere Idee, später erfahre ich von einschlägig interessierten Stammkunden, dass die Seywalds zum bereits existierenden sogar einen eigenen Flugplatz auf dem Feld unten neben der Drau errichtet haben, inklusive Stromanschluss, kleiner Werkstatt und eines schmucken, architektonisch als Heuschober auftretenden Sanitärhäuschens. Nicht überraschend also, dass das Haus auch im Herbst gut gefüllt ist. Was übrigens auch für einige der Piloten zutrifft, kein Wunder, bei der Küche.

Fliegen kann man aber natürlich auch von den Bergen rund ums Drautal, sogar selber, mit Gleitdrachen etwa. Wenn man sich traut. Tun wir nicht, auch wenn der Ausblick vom Startplatz am Fuße der Emberger Alm. Stattdessen wandern wir bergan zum Nassfeldriegel, des Blicks und der Kalorienverbrennung wegen, die Kärntner Küche wird es am Abend wieder richten. Als sach- und ortskundige Führerin hat sich Waltraud Sattlegger zu uns gesellt, auch wenn ihre Firma Drausport heißt ist sie doch heroben an der Waldgrenze aufgewachsen. Und kennt sich ergo auch mit Flora und Fauna aus, weiss über den Unterschied von Schneehuhn und Schneehendl, die lohnendsten Schwammerlplätze, heilende Kräuter sowie die richtige Reife der Preiselbeeren Bescheid. Aus der angepeilten Stunde werden so deren Drei, noch besser, meint sie, wären natürlich drei Tage, dann könnte man zu den zwei Seen und aufs Kreuzeck marschieren und den Großglockner von seiner schönsten Seite sehen.

Doch nun ruft uns nicht der Berg sondern Sattleggers Alpenhof wo Waltrauds Schwägerin das Regiment in der Küche der einstigen Sennerei führt. Die kleine Suppe entpuppt sich da schon mal als veritable gemüseschwangere Bouillonschüssel, zum unglaublich zarten Hirschsteak empfiehlt sie sicherheitshalber noch die Eierschwammerlsoße als Beilage, nur falls Blaukraut und Nockerl nicht reichen sollten. Und, weil sich´s so gehört, lehnen wir auch die Schwarzbeernocken zum Abschluss nicht ab, den „Selberbrennten“ danach schon gar nicht. So gerüstet sind wir bereit für einen weiteren Höhepunkt im an Überraschungen nicht armen Drautal.

Auch Thomas Sattlegger hat schon früh eine Nische für seinen Alpenhof gefunden, man hat sich hier auf der Emberger Alm nämlich erspart mittels fremdfinanzierter Investitionen ein modernes Schigebiet zu installieren und sich stattdessen auf die unberührte Natur und geradezu nostalgische Gastlichkeit konzentriert. Und die nicht vorhandene Lichtverschmutzung. „Mir ist in meiner Jugend ein Astrologieheft in die Hände gefallen, das Thema hat mich gleich fasziniert, ich hab erst mal mit dem Fernstecher in den Himmel gestarrt, mir irgendwann mein erstes Teleskop geleistet. Und weil die Sichtverhältnisse hier oben, weitab leuchtender Städte wirklich toll sind habe ich schließlich ein Inserat in dem Magazin geschaltet und die Embereger Alm als idealen Urlaubsort für Astronomen angepriesen!“ War offensichtlich ein himmlischer Geistesblitz, heuer findet das 35. International Teleskopentreffen nämlich schon zum 24. Mal auf der Emberger Alm statt!

Weil aber die Idee alleine nicht reicht hat Thomas auch bald den idealen Ort in Form eines fix auf einem massiven Betonfundament geschaffen, „is nit weit, da schau ma jetzt schnell rauf“ schlägt er zum Digestif vor. Warum uns seine Sternwarte auf der Almwanderung nicht aufgefallen ist wird rasch klar, auch wenn sie ganz professionell als Stahlrahmenkonstruktion ausgeführt ist fügt sie sich perfekt ins Heuschoberensemble ein. „Außen ist sie rundum mit Lerchenbrettern verkleidet, das Schindeldach lässt sich vollständig aufkurbeln, drinnen findet der seriöse Astronom alles vor was er für eine befriedigende Nacht unter dem Sternenhimmel braucht!“ Und weil das Angebot offensichtlich wirklich ganz hervorragend ankommt steht gleich daneben schon der zweite astronomische Heuschober, Neulingen steht Thomas stets mit Rat und Tat zur Seite, zwei mal wöchentlich gibt´s Führungen, ein guter Grund auf der Emberger Alm zu übernachten. Nur eines sollte man nicht vergessen, bei klarem Nachthimmel sind die Fensterläden der Gästezimmer zu schließen oder halt das Licht zu löschen!

Der Drau unten im Tal macht das Licht gar nichts, im Gegenteil, funkelnd durch Felder und Auwälder fließend lockt sie mit stetiger Strömung. Beim Bahnhof Oberdrauburg wartet schon Steffen neben zwei Kanadiern darauf uns in Schwimmwesten gewandet in die Geheimisse des Flusswanderns einzuführen. Derer gibt´s nicht allzu viele, der Hintermann steuert, vorne wird angetrieben, die Hauptarbeit erledigt der Fluss, für sechs Kilometer in der Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit sorgt allein die Drau. Da kann man genüsslich die Landschaft betrachten, der Orsinis Burg Stein studieren, von der aus sie ihre 4000 Hektar Jagd an den Hängen des Jauken kontrollieren. Ein herrlich kontemplatives Erlebnis aus dem einen erst das Kommando zum landen reißt, auch das geht locker auf einem der Sandstrände von Statten.

Gleich dahinter wartet der Campingplatz am Waldbad, nur einer von vielen an den Ufern der Drau, man könnte also auch locker mehrere Tage am Fluss verbringen. Wir aber stärken uns nur am erstaunlich lukullischen Buffet und stechen wieder in See, beziehungsweise treiben wir zu einem solchen. In Kleblach wartet an einem Baggersee nämlich wieder ein Campingplatz der mit einer uns bislang unbekannten Sportart auf sich aufmerksam macht: FuGo! Fussballgolf scheint zu boomen, jedenfalls in Nordeuropa, wieder so eine Nische welche die Drautaler für ihren sanften Tourismus zu nutzen gedenken. Aber auch an die zahlreichen Radfahrer hat man gedacht, zumal jene, die sich elektrisch unterstützen lassen, Ladestationen findet man hier reichlich. Und hat man seinen Drahtesel vom im Pustertal beheimateten Verleiher Papin gemietet findet man hier auch eine der unzähligen Servicestationen.

Und weil es nun mal anstrengender ist die Drau rauf als runter zu Paddeln steigen auch wir aufs Rad, retournieren werden wir es dann in der Radlerstation Sandhof, gleich neben dem Golfplatz daheim in Berg. Vorher machen wir aber noch einen steilen Abstecher zum idyllischen Weissensee und, für Genießer sicher noch verlockender, zur Buschenschenke Hupfa. Den Hupfabrenner Hof bewirtschaftet, seit er aus dem Mur- ins Drautal geheiratet hat, Jakob Grasser mit seiner Familie. Dass der Weinbau schon vor 1000 Jahren urkundlich erwähnt aber bei seiner Ankunft nicht mehr existent war hat den vinophilen Steirer nicht ruhen lassen, die Lage des Hofes am Südhang war jedenfalls bestens geeignet für den Wiederanbau.

„Wir haben natürlich lange mit verschiedenen, vornehmlich frühreifen, Sorten herumprobiert, haben momentan ein weißes Cuveé aus Primus, Solaris und Bianca das ganz gut harmoniert. Aber ich bin ja eigentlich nur mehr Berater, Bauer und Jäger, den Wein macht jetzt die Nadja!“ Und die Tochter hat das auch gelernt, den Weingarten auch schon vergrößert, „mehr geht leider nicht mehr, die Tiere brauchen schließlich auch ´was zu fressen“. Einerseits, schade, der rote Regent ist rasch ausgetrunken, dabei könnte ihm längere Lagerzeit durchaus noch gut tun. Andrerseits kommt dafür allerlei Köstliches aus eigener Produktion auf den Tisch, von den klassischen Kärntner Würsteln über sündhaftes Bratlfett bis zu den herrlichen Aufstrichen. Und dann steht da noch eine Edelkastanie neben der Buschenschenke, das heißt auch die Maroni fürs Törggelen sind gesichert!

Die Reise erfolgte auf Einladung von Kärnten Tourismus.

INFO

Der Glocknerhof bietet nicht nur einen kulinarischen Herbst, eine Modellflugwoche kostet inklusive Vollpension und Flughafenbenützung 480 Euro im Doppelzimmer. www.glocknerhof.at
Alle Infos übers Draupaddeln findet man auf draupaddelweg.com, Fahrräder mieten und Übernachten kann man in der Radlerstation Sandhof www.radlerstation.at; Bergwanderungen, Schikurse und mehr bietet Waltraud Sattleger auf www.drausport.at an. Näheres zu Sternwarte und Berggasthof auf der Embergalm unter www.alpsat.at. Die Buschenschenke Hupfa schließlich findet man in Schlussnig 1, 9771 Berg, geöffnet hat sie von Mittwoch bis Sonntag von 15 bis 22 Uhr, getörggelt wird den ganzen Oktober bis in den November hinein so lange der Vorrat reicht!

DRAUTAL_DIE PRESSE

Dieser Beitrag wurde am 2019/10/14 um 08:04 veröffentlicht. Er wurde unter österreich, DIE PRESSE, drautal, kärnten, Uncategorized abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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