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PRIVATE SELECTION – SKYROS

Unter dieser Rubrik finden Sie pro futuro wöchentlich einen meiner ganz persönlichen Lieblingsorte rund ums Mittelmeer. Es gibt noch so viel zu entdecken, nicht nur auf abgelegenen Inseln, sondern selbst in scheinbar schon hinlänglich abgegrasten Gegenden, sogar neben dem einen oder anderen Charterflughafen findet man manchmal einen dieser gastfreundlichen Geheimplätze, von welchen Kenner und Geniesser immer wieder und noch lange schwärmen. Lassen sie sich überraschen!

Skyros liegt nun wirklich nicht verkehrsgünstig, wenn auch mitten in der Ägäis. Aber nicht dort, wo die zuverlässigen Schiffe von Blue Star täglich durch das tiefblaue Meer schneiden, um die geschäftigen Kykladen mit Piräus und somit Europa zu verbinden, sondern oben in den Sporaden. Und selbst von diesen hat es sich etwas absentiert, immerhin verkehrt im Sommer ein Schiff regelmässig zwischen den grösseren Inseln, so dass man zwei mal wöchentlich von Skiathos, wohin man aus Europa rasch und unkompliziert via Charter anreisen kann, nur noch einmal auf Skopelos umsteigen muss, und schon ist man am Ziel. Klingt ihnen zu kompliziert? Tja, dann werden sie sich wohl doch mit Krethi und Plethi einen Strand teilen müssen.

Doch schon die alten Athener fanden es nicht wirklich der Mühe wert, die Insel unbedingt unter ihre Fittiche zu bringen, erst als Kimon, Sohn des Miltiades, Enkel eines dreifachen Olympiasiegers sowie Athener Politiker und General die Gebeine des auf der Insel verstorbenen Theseus heim holte, nahm er bei der Gelegenheit auch gleich Skyros in Besitz. Zu holen gab es sonst nicht viel, erst die exaltierten Einrichtungswünsche der neureichen Römer lenkten die Aufmerksamkeit der Baumeister auf den bunten Breczienmarmor, den man folglich abbaute und exportierte. Sonst kannte man im Altertum höchstens noch die besonderen Ziegen der Insel, obwohl schon tausende Jahre früher in der Bronzezeit der Obsidianhandel aus Milos über Skyros in den Norden lief.

Viel Stein also, wenig fruchtbares Land, und, wie überall im orthodoxen Hellas, Kirchen. Gottes Hilfe nah zu wissen kann nicht schaden, schon gar nicht, wenn man im Steinbruch arbeitet, und so hat man wohl schon immer in der kleinen Kapelle des Heiligen Nikolaus ein Kerzerl angezündet, auf dass einem nicht ein massiver Brocken zum Verhängnis werde. Und zwar mitten drin im Fels, rundherum wurde abgebaut, bis schliesslich nur noch ein massiver amorpher Quader stehen blieb, und drin die Kirche. Die steht dort noch immer, und noch eine zweite, kleinere Kapelle, und ganz vorn am Ufer, die Grundmauern von den Wellen umspült, wartet eine alte Windmühle, heute dient sie als Snackbar, auf Laufkundschaft.

Die kommt spärlich, und das ist gut so, muss ja nicht immer so brummen wie Mykonos, Kos oder sonstige Hotspots, die karge Insel mitten im Meer drängt sich nicht auf, aber wenn man sie mal entdeckt hat, bleibt man leicht hängen. So wie Georgios Carabellas, der Unternehmer, Designer und Art Director kam 2008 eigentlich nur nach Skyros, um mit einem Künstler ein Projekt in Athen zu besprechen. Schon beim erstenAnblick erinnerte ihn die Insel an ein steinernes Schiff, das hier draussen in der Ägäis vor Anker liegt, und wo die Zeit still gestanden scheint. Der Hauptort, die Chora, liegt einem Amphitheater gleich am Hang des Burgberges beschützt vom Kloster des heiligen Georgs, durchschnitten von der Hauptstrasse, die zum zentralen `Platz der ewigen Poesie´ führt. Und überall diese typischen kleinen weissen malerischen Häuser, hier mit farbigen Dächern, wie im Bilderbuch, und dazu noch mit prachtvoller Aussicht weit hinaus zum Horizont.

Bei seinem Besuch erregte eine Gruppe von verlassenen, wohl bald verfallenden Gebäuden Georgios´ Aufmerksamkeit, die magische Atmosphäre liess ihn nicht los, eine Woche später waren er und seine Frau Lyda stolze Besitzer einer baldigen Baustelle. Einheimische schütteln gerne den Kopf, wenn `die aus der Stadt´ ausgerechnet historische Häuser kaufen, wenn sie doch auch viel einfacher eine moderne Villa mit Pool an den Strand bauen könnten, ich kenne das, aber wenn so ein Schmuckkästchen dann fertig und auch für sie verständlich ist, dann sind auch sie überzeugt: es zahlt sich aus!

Das gilt auch und ganz besonders für das Haus der Carabellas, beziehungsweise die Häuser, sind ja eigentlich ursprünglich vier kleine Häuschen, die sich um einen geschützten Garten scharen. Georgias hat mit lokalen Handwerkern die einstigen Ställe akribisch restauriert und adaptiert, stets darauf bedacht, den ursprünglichen, bäuerlichen Charakter zu konservieren, den Charme der uralten Balken, hohen Räume und massiven Mauern zu erhalten. Gleichzeitig stellt er aber höchste Ansprüche an Ausstattung und Meublage, edle Antiquitäten aus London, Marrakesch und Südfrankreich komplimentieren feine Erbstücke, in Küche und Bad ergänzt durch modernste Applikationen und Geräte, sowie Entwürfe von Castiglioni, Marc Newson und aus eigener Hand.

Man merkt ganz deutlich, hier hat Georgias sein ganz privates Paradies gefunden und geschaffen, doch zur griechischen Lebensphilosophie gehört ganz unvermeidlich die `Pareia´, jener Freundeskreis, ohne den Philosophieren nicht funktioniert und Mussestunden keine Freude machen. So bieten die `Skyros Suites´ also reichlich Platz für Freunde und Gäste, Rückzugsorte und Gemeinschaftsplätze, rasch wird man selbst Teil der Pareia. Oder klinkt sich bei Bedarf aus, nimmt gleich nebenan den traditionellen `Ellinikó´ im Kafeneio, bummelt durch die Chora, oder, Hallo, wir sind auf Sommerferien, sucht sich einen der zahlreichen, oft einsamen Strände aus dem hervorragenden Angebot. Agios Fokas etwa, wo es keinen Strom und ergo keine unerwünschte Beschallung gibt, aber mit Kyria Kali eine wunderbare Künstlerin am Holzofen. Auch wenn die Vorräte zur Neige gehen ist´s kein Grund zur Sorge, dann schickt sie nämlich kurzerhand den Herrn Gemahl hinaus aufs Meer zum Fischen. Alles ganz wunderbar unkompliziert auf Skyros, bodenständig und einfach, nur dass im Hafenort Linaria jedes mal, wenn die Fähre einläuft, aus den Fenstern der Kavos Bar unüberhörbar Wagner Opern erschallen überrascht erst, man gewöhnt sich aber schnell, auf der nächsten Insel vermisst man´s fast schon wieder.

www.skyros-suites.com
www.thissionr2.com

Dieser Beitrag wurde am 2014/04/01 um 16:22 veröffentlicht und ist unter inseln, mit besten empfehlungen, PRIVATE COLLECTION, skyros, sporaden abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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