homolka_reist

der duft von schwefel und minze

Ein leichter obersteirischer Akzent ist nicht zu überhören, wen Spyros Tzitzos begeistert von seinem Arbeitsplatz erzählt. Wir fahren vom Hafenort Adamas durchs hügelige Landesinnere auf die östliche Hälfte der Insel, die tief eingeschnittene große Bucht halbiert das Eiland brüderlich in zwei einigermaßen gleiche Teile. Wobei der westliche wilder ist, urtümlicher wirkt, dünner besiedelt, der Osten dagegen, vom Kastro am Burgberg über dem alten Hauptort Plaka abwärts, jetzt am Vormittag voll geschäftiger Hektik brummt.

Getroffen haben wir uns im Bergbaumuseum nahe der Hauptstadt, über neuntausend Jahre zurück erstreckt sich die Geschichte des Steineklopfens auf der Insel, angefangen mit der Gewinnung von Obsidian, der war als Schneid- und Schürfwerkzeug bis zur Entdeckung der Metallbearbeitung unersetzlich. Dementsprechend weiträumig wurde er exportiert, man hat Klingen oder wenigstens Bruchstücke davon bis weit in den Norden Europas in zahlreichen Bronzezeitlichen Siedlungen ausgegraben. Die Vorkommen dieses scharfen Materials verdankt Milos seiner vulkanischen Aktivität, der letzte Ausbruch ist gar nicht so lange her. Na ja, wenn man in geologischen Dimensionen denkt, sechzigtausend Jahre lassen einen heute recht ruhig schlafen.

Wobei, gänzlich inaktiv ist das Erdinnere auch wieder nicht, aus etlichen Erdlöchern dringt aromatisch duftender Wasserdampf an die Oberfläche, oder gar Heißwasser, praktisch, wenn das Meer noch frisch und der Drang zum Bade unbezwingbar ist. Gegenüber des Hafens, zwischen Kraftwerk und Flughafen, direkt vor den stillgelegten, seichten Becken der Saline, pritschelt eine Quelle dampfend aus dem Strand in die salzigen Fluten, nicht gerade romantisch aber wohlig warm und einzigartig.

Ganz idyllisch wird´s dafür gleich hinter der Uferstraße, sanft steigt der Weg an, zwischen Weiden und Feldern mit vereinzelten uralten Olivenbäumen, bunte Holzkisten beherbergen fleißige Bienen. „Erkennst du den Krater?“ fragt Syros plötzlich, nein, ehrlich gesagt nicht, zu überwachsen sind die Ränder des weiten Fyriplaka Tals, das sich einem Amphitheater gleich zwischen die Hügel schmiegt, nur oben am Grat erkennt man blanke Felsen zwischen Ginster und dornigem Gebüsch.

Erst aus der Nähe erspäht man die interessante Färbung, gelbliche und rote Kristallstrukturen, auch grüne, die nach Moos aussehen, und aus Ritzen und Spalten dampft es wieder. Überraschender Weise duften die Ausdünstungen, ja, schon auch nach Schwefel, aber auch na Minze, Syros ist das noch nicht aufgefallen, er Weiß halt, welche Mineralien hier gelöst werden, Minze zählt nicht zu den Elementen seiner montanen Welt.

Die uns dafür hinter der nächsten Kuppe unübersehbar empfängt, ein atemberaubendes Loch öffnet sich vor mir, feinsäuberlich von mächtigen Caterpillarn aus der Insel geschabt, riesige Muldenkipper transportieren unentwegt das geschürfte Rohmaterial zur Weiterverarbeitung in die Fabrik. Spyros erläutert anhand der unterschiedlichen Farbschichten das Angebot des Berges, am wichtigsten ist die hellgraue, da liegt der Bentonit und auf dem Gebiet ist man Weltmarktführer.

Auf der überbreiten Werksstraße geht´s hinunter ans Meer, dort liegt versteckt in einer Bucht die Verladestation und das Werk, gleich danach wird der Weg wieder schmal, von üppigem Grün gesäumt, mündet bald auf einem Bauernhof. Die gewohnten, weiß gekalkten eckigen Gebäude wirken ganz gewöhnlich, die Überraschung wartet im Hof. Dort führt eine Treppe in, nein, nicht einen Keller, sondern die Höhle. Der Familie Konstantakis hat der Vulkanismus ein großzügiges Geschenk gemacht, bei stets gleichbleibendem Klima lagert hier die „Spilia Selection“, ein Cuveé aus Assyrtiko und Savatiano, seiner Reife entgegen. Sogar die Produktion findet hier unten ihren Platz, und einen ausgesprochen mystischen Kostraum hat man auch noch untergebracht.

Wieder im grellen Sonnenlicht wirft man einen ungläubigen Blick auf den Hang hinter dem Weingarten, das riesige Abbaugebiet auf der anderen Seite ist nicht mal zu erahnen, Syros zu Recht stolz auf seinen Arbeitgeber, konsequent wird aufgeforstet, sobald ein Vorkommen erschöpft und ausgebeutet ist. Dass dem nicht immer so war bringt eine Wanderung am anderen Ende der Insel zum Vorschein. Seit fast hundert Jahren ruht die Arbeit in den abgelegenen Minen von Kap Vani, dass man dort Eisenerz schürfte ist anhand der rostroten Färbung unschwer zu erkennen. Zu den archaischen Industrieruinen, spektakulären Stollen und schroffen Felsformationen führt ein markierter und gepflegter Weg, im Bergbaumuseum erhält man, wie auch für die restlichen fünf Routen, umfassende Informationen und detaillierte Karten. Oder man lässt sich von Antons Mallis führen, der sich neben der Arbeit im Familienreisebüro in Pollonia darum kümmert, dass die Markierungen stets sichtbar, die Informationen auf dem letzten Stand sind und außerdem stets die nächste Taverne kennt!

Und weil wir schon beim genießen sind, gehen wir jetzt auch gleich an den Strand, und auch dort hat der Vulkanismus Milos seinen unvergleichlichen Stempel aufgeprägt. Wie von Riesenhänden geschmirgelt laden Bimssteinstrände wie Sarakiniko zum Sonnenbade, oder Kiesstrände in tief eingeschnittenen Buchten, die Sonne malt funkelnde Muster ins kristallklare Wasser wie in Papafrangas, wo man durch, wie einst die Piraten, durch ein Loch in den Felsen ins offene Meer hinaus schwimmen kann. Oder die feinen Sandstrände von Ammoudaraki und Agios Ioannis, wo man sich auf Goldstaub gebettet wähnt.

Der Schöngeist wird dann noch der Heimat Aphrodite einen Besuch abstatten, die als Venus von Milo Weltrang erlangt hat, was man an ihrem Fundort kaum glauben mag, so unscheinbar ist er, nur ein prosaisches Straßenschild und eine kleine, im Gebüsch kaum zu entdeckende Marmortafel erinnert an sie. Man übersieht sie auch leicht, weil man von dort schon einen ersten Blick auf das einst, nach Erweiterung durch die Römer, siebentausend Zuschauer fassende Amphitheater von Klima ergattert. Den Römern verdankt die Gegend auch die bedeutendsten Katakomben, nach jenen der Hauptstadt natürlich, christliche Siedler haben sich in den Höhlen schon im zweiten Jahrhundert nach der Geburt ihres Messias versammelt, nachdem sie dies auch in aller Öffentlichkeit durften wurden die verzweigten Gänge im porösen Gestein einfach für die Ewigkeit umgenutzt.

Befristete Ruhe finden die Bewohner von Milos übrigens in ihren Syrmata, süßen Fischerhäuschen, im Obergeschoss schläft der Fischer, im Sommer auch gerne die ganze Familie, ebenerdig ruht das Boot, aus dem Wasser zieht man es mit der Winde und einem Stahlseil, griechisch Syrma genannt. Auch Sophia Ksydous, die in Adamas Leihwagen und einige andere Dienstleistungen anbietet, verbringt hier gerne die heißen Sommernächte. In denen ist das Fischerboot auch vor Anker in der Bucht gut aufgehoben, dann dient seine Garage als Küche, gespeist wird direkt vor dem weit offenen Tor, und getrunken und gefeiert, bis spät in die Nacht. Man ist ja schnell wieder wach am nächsten Morgen, ein schneller Sprung in die erfrischenden Fluten

INFO

WOHNEN
Sirmata
Sea Sun Sophia heißt die kleine Agentur von Sophia Ksydous im Hafenort Adamantas, genau das liefert sie, und obendrein vermietet sie auch noch das romantische kleine Fischerhäuschen der Familie in Klima! Mehr Meer geht nicht. Kostet 70 Euro pro Tag, 1 Woche im September ab 420 Euro
Adamantas 84800 Milos, +302287021994, Mobil +306944147177, seasunsophia@milostravel.com

ESSEN
O! Xamos!
Ein wenig außerhalb des Ortes sticht diese Taverne sofort durch ihr farbenfrohes Äußeres auf, und das dichte Grün der Bäume, in deren Schatten man von früh bis spät zuvorkommend von Giorgos und Athina verwöhnt wird. Sie verwenden mit Vorliebe regionale Bioprodukte, verkochen sie modern nach traditionellen Rezepten. Paralia Papikinou, Adamantas, 848001 Milos, +3022870221672, http://www.ohamos-milos.com

ERFORSCHEN
Travel me to Milos
Am touristischen Ende von Milos in Pollonia residiert Antonis Malis mit seiner Agentur, abgesehen vom Fullservice in Sachen Unterkunft und Transport bringt er seinen Gästen mit besonderer Begeisterung die einzigartigen Attraktionen von Milos ganz persönlich näher. Er kennt alle 7 Wanderwege der Miloterranean Geo Walks wie seine Westentasche und hat stets alle Informationen parat.
travel me to Milos, Pollonia, 84800 Milos, +302287041008, info@travelmilos.com, http://www.travelmetomilos.com http://www.miloterranean.gr

SCHNORCHELN & SEGELN
Milos Yachting Farinola
Mit seinen hunderten Stränden und Buchten, die einst den Piraten Zuflucht boten und auch heute oft nur von Meer her zu erreichen sind, bietet sich eine kleine Kreuzfahrt auf der Mamma Maria an. Unterschiedlich lange Törns stehen genau so auf dem Programm wie gemütliche Tauch- oder Schnorcheltrips, und die Mamma ist geräumig genug, dass man es gut den ganzen Tag aushält. Excellent Yachting, +302109413234, +306982251638, http://www.cruisemilos.com
milos_fertig.pdf

Dieser Beitrag wurde am 2014/09/11 um 13:39 veröffentlicht und ist unter griechenland, inseln, kykladen, milos abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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