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vom schischuh in die gummischlapfen

Helikopterskiing im Kaukasus, Powdern in den Rockies, alles schon erledigt? Oder lässt das Budget derartige Extravaganzen nicht zu, um Wintersportaffine Freunde zu überraschen. Vielleicht gehören Sie aber auch gar nicht zu jenen Fanatikern, die sich posteripre Körperteile abfrieren und sportliche Höchstleistungen erbringen wollen. Sondern zu den Geniessern, die nur mal ein bisserl Wedeln und sonst den Urlaub ohne Kälteschutzkleidung verbringen wollen. Dann hätt´ ich einen, ja, man kann ruhig sagen Geheimtipp, für Sie.
Denn es überrascht auch immer wieder Griechenlandkenner, dass das beliebte Sommerurlaubsland auch für Wintersportler was zu bieten hat. Zweiundzwanzig Schigebiete gibt es offiziell, immerhin sieben davon verfügen über schwarz markierte Pisten, also solche, die auch Alpenbewohnern Vergnügen bereiten. Aber eigentlich findet man sein Urlaubsglück aufgrund ganz anderer Erlebnisse.

Das fängt, beispielsweise, bei der Anreise an. Sinnvoll zu erreichen sind die meisten Schiorte nur individuell, also bestellt man sich einen Mietwagen zum Flughafen. Wenn dann der kurzärmlige Mitarbeiter bei der Wagenübernahme die Schiausrüstung entdeckt, die der chauvinistische Österreicher natürlich mitbringt, um den im Verleih ausschliesslich erhältlichen französischen Produkten zu entgehen, ist schon der erste neue Freund gewonnen. Denn nichts sieht der Grieche lieber, als Gäste aus den Alpen, die dem Land im Winter die Reverenz erweisen. Aber fragen Sie ihn nicht nach Tipps, wahrscheinlich hat er keine Ahnung, wo man bei ihm zu Hause diesem exotischen Vergnügen frönen kann (nach Schiträgern brauchen Sie auch nicht fragen, gibt´s eh keine, dafür sollten Winterreifen bei rechtzeitiger Bestellung kein Problem sein).

Vom Flughafen kommend stellt der Pilion ein erstes lohnendes Ziel dar. Man sollte aber jedenfalls vorher die Schneelage auskundschaften, kein Problem, mit Hilfe der allgegenwärtigen Webcams kann man sich selbst ein Bild machen. Und dieses ist im Fall des kleinen Skiressorts oberhalb der Bucht von Volos ein Beeindruckendes. Von der Bergstation am Gipfel des Agriolefkes geniesst man einen 270-Grad-Rundumblick auf die Ägäis! Und die über einen Kilometer lange Panoramaabfahrt hinuterzuwedeln, immer das tiefblaue Meer vor Augen, ist ein einzigartiges Erlebnis.

Leider hat das wunderschöne Wasser auch ausgleichende Wirkung aufs Klima, ergo ist die Schneelage höchst unbeständig, dafür blüht der ganze Berg schon früh im Jahr. Und in einer Taverne am Strand geniesst man in leichter Kleidung Fisch und Wein, während oben der Schnee dahinschmilzt. Die Frühlingsgefühle bleiben auf der Fahrt zur nächsten Destination erhalten, am Meer entlang geht´s nach Norden, herum um den Olymp. Ja, auf dem kann man auch Schifahren, aber nur, wenn man vorher hinaufgeht, also eher ´was für Tourengeher, oder im Dienste der hellenischen Streitkräfte steht, weil denen gehört der Berg.

Sollen ihn ruhig behalten, schaut von der Ferne ohnehin schöner aus, der Sitz der Götter. Zum Beispiel von Naoussa, einem Ort, der vor Allem für seine hervorragenden Rotweine bekannt ist. Rundum liegen eine Reihe belifteter Gipfel, wie etwa der Kaimakzalan, was Schlagobershauberl heisst, was schon auf die weisse Pracht hinweist, jedenfalls wenn man türkisch versteht. Noch näher liegt Seli, und gleich hinter dem Ort findet man den Hausberg, der auf den Kryptischen Namen 3-5 Pigadia hört, wobei letzteres Quelle heisst, die Ziffern sollen die Anzahl beschreiben, fragen Sie mich jetzt aber nicht ob entweder oder oder die Summe zählt, die Einheimischen sind sich da nicht einig. Tatsache ist, dass es einen Sesel- und vier Schlepplifte gibt, sowie jede Menge Abfahrten, darunter auch eine anspruchsvolle schwarze Piste, FIS-genehmigt und alljährlich Austragungsort der internationalen griechischen Meisterschaften, und zwar verlässlich, da man hier rechtzeitig Schneekanonen angeschafft hat.

Zu verdanken hat das der Ort dem Chef des Schigebiets, Akis Tambouris, einer echten Schikanone. Im Gegensatz zu Karl Schrantz scheint der auch in den Ergebnislisten der olympischen Winterspiele in Sapporo 1972 auf, und zwar als 24er im Riesenslalom, womit er auch das beste Ergebnis eines griechischen Schifahrers für sich beanspruchen darf. Im Slalom ist er ausgeschieden, zu viele Stangln sagt er, dafür hat da sein Zimmergenosse Francisco Fernandez-Ochoa Gold geholt, Abfahrt war ihm zu schnell, da hat auch der originale Sturzhelm des österreichischen Teams nicht geholfen. Diesen und viele andere Erinnerungsstücke aus dem Schizirkus der siebziger Jahre kann man in einer Vitrine bewundern, die er in seinem kleinen Hotel Palea Poli eingerichtet hat. Das Haus ist nach der historischen Altstadt benannt, in der es steht, und zwar jener von Naoussa. Dort wohnt man nicht nur gemütlich und stilvoll, im Keller lagern reichlich Kostproben der hervorragenden Roten der Region, und Gattin Lena verwöhnt mit ihren Kochkünsten nach Slow Food Philosophie.

Alles andere als slow dagegen läuft das Leben in Arachova an Wochenenden ab! Dann überschwemmen nämlich reiche Athener den kleinen Ort am Fusse des Parnass, SUVs zwängen sich durch die Gassen, aus den exclusiven Boutiquen quellen grellblonde Damen mit vollen Sackerln. Ja, die athener Oberschicht hat den Schiurlaub für sich entdeckt, manche sogar das Schifahren! An Wochenenden wurlt´s auf den Pisten und in den Cafés, aber ab Sonntagabend hat man den Berg für sich. Und der bietet immerhin eine veritable Schischaukel, zwei Täler hat man verbunden, und auch wenn der Sessellift auf einer Seite gerade steht: keine Sorge, der Liftwart wartet nur auf Sie, lässt Sie Platz nehmen, und startet dann ganz zärtlich den Motor. Wenn aber dann zu Mittag der Schnee zu patzig wird streift man einfach die Schistiefel ab, schlüpft in die flip flops und kurvt in einem viertel Stündchen im Wagen hinunter ans Meer, wo die Sonne schon den Platz vor der Taverne wärmt. Und gönnt sich eine Merida Merides, die kleinen frittierten Fischchen, dazu Krasi aus dem Blechhäferl, da können, bei allem Respekt, die Berner Würstl auf der Schihütte in den Alpen einfach nicht mithalten!

INFO

Anreise
Austrian Airlines fliegt fünf mal wöchentlich nach Thessaloniki und täglich nach Athen, Red Tickets kosten ab 88,65 Euro je Strecke.
www.austrian.com
Aegean bietet den Flug nach Athen täglich um 75 Euro je Strecke an, nach Thessaloniki kostet es ab 100 Euro.
www.aegecair.com
Auf den Flughäfen sind alle namhaften Autoverleiher vertreten, direkt vor die Tür geliefert bekommt man seinen Wagen aber nur von Kosmos, und das seit 1977!
www.kosmos-carrental.com
Wohnen
Das romantische `Palea Poli ´in der Altstadt von Naoussa ist nicht nur ein intimes Boutiquehotel, sondern verspricht auch erstaunliche kulinarische Freuden. Und der Chef weiss immer, wo die besten Pisten warten.
www.paleapoli.gr
Wer am Parnass ländliche griechische Gastfreundschaft geniessen will, sollte das Kiriaki Guest House in Amfiklia wählen, einem traditionellen, stilvoll renoviertem Herrenhaus.
www.guestinn.com/en/acc.php?id=80

www.gtp.gr/skicenters.asp
www.snowreport.gr
www.snowcam.gr

Dieser Beitrag wurde am 2015/01/05 um 13:11 veröffentlicht. Er wurde unter arachova, griechenland, makedonien, parnassos, pilion abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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