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rigoletto im pool suleiman des grossen

Prolog

Die Frage kommt nicht unerwartet, den Zweck der Reise wollen die Sicherheitsbeamten der ELAL wissen. „Oper, in Jerusalem, man gibt Rigoletto“ gestehe ich, die junge Dame kontert überraschend: „da sind Sie schon der Zweite“, nein, nicht heute, insgesamt, seit sie hier Dienst versieht, die andere habe sogar behauptet, die Hauptrolle der Gilda zu singen. Und weil die israelischen Behörden gründlich arbeiten wussten sie sicher auch schon, dass Hila Fahima, die 29 Jahre junge Sopranistin aus Karmi´el die dies behauptet hatte, seit 2013 zum Ensemble der Staatsoper gehört und die Rolle auch dort seit 2014 singt. Diese stellt ja glücklicher wie unverständlicher Weise im Sommer, wenn die Gäste kommen, den Betrieb ein, immerhin gibt man so seinen Stars Gelegenheit, der Heimat Besuch und Dank abzustatten. Hila Fahima nutzt dies um das Ensemble der Jewish Opera Tel Aviv beim Jerusalem Opera Festival zu unterstützen und die Aufführung des Rigoletto mit ihrer Stimme zu bereichern.

1. Akt

Als Aufführungsort dient der Sultans Pool, benannt nach Suleiman dem Großen, der die antike Zisterne vergrößern ließ, um dem religiösen Waschzwang der unter seiner Herrschaft rasch anwachsenden Pilgerschar gerecht zu werden. Damals lag Jerusalem ja noch unten im Tal, die Mauer, welche die Altstadt umgibt und die nun einen prachtvollen Hintergrund für die Vorstellungen auf der Festivalbühne gibt, verdanken wir auch dem Großen Suleiman. Womit er aber nur einer von vielen ambitionierten Bauherren der Stadt ist, seit der Errichtung des Tempels wird in und um die heiligen Stätten gemauert, was das Zeug hält. Auch unter dem aktuellen Bürgermeister Nir Barkat geht der Boom weiter, der 2013 wiedergewählte säkulare Quereinsteiger aus der High Tec Branche möchte, wie er sagt, ein Jerusalem für Alle schaffen. Beim Wohnraum sollten die halt eher zahlungskräftig sein, Touristen nicht nur als Pilger kommen, das Opernfestival erfüllt seine Zielvorgaben jedenfalls zur Gänze.

2. Akt

Bei Einbruch der Dämmerung strömen die Menschen ins Auditorium, im Parkett adrett gekleidet, auf den Rängen bunt gemischt, manche Familie holt bis in die Overture hinein das Abendessen nach.
Die von Francesco Ciluffo dirigierten Jerusalemer Symphoniker stören sie dabei nicht besonders, ganz oben auf der Tribüne kommt ihre hervorragende Arbeit etwas dünn an. Dafür brillieren, elektronisch verstärkt, der sichere Boris Statsenko als Rigoletto, Hila Fahima als überzeugende Gilda und die erfreulich stimmgewaltige Oksana Volkova als Maddalena. Das plakative Bühnenbild von Stefanos Lazaridis passt hervorragend in die nächtliche Kreuzfahrerstadt, Gildas langsamer Tod wird von den Sirenen der Rettungswagen die der Wind von der Khativat Yerushalaim Straße herüberweht begleitet. Die sind übrigens nicht Bestandteil der hervorragenden Originalinszenierung von David Poutney, auch nicht der Adaptierung für das Festival durch Julia Pevzner. Aber durchaus eine angemessene Überleitung in das abendliche Treiben der lebendigen multikulti Metropole.

3. Akt

Die Vorstellungen in der Zisterne, anderntags gab man etwa unter dem Titel Opera Paradiso ein Best Of berühmter, von Arien begleiteter Filmszenen, live begleitet und gesungen, sind aber nicht die einzigen Möglichkeiten den musikalische Output der Israelischen Oper zu erleben. Am dritten Tag des Festivals sind es eine Reihe von Konzerten, die eine etwas intimere Annäherung ermöglichen. Ganz besonders gilt dies für die „Italian Celebration“ im Museum Italienisch Jüdischer Kunst. Untergebracht ist es im 1887 fertiggestellten deutschen Hospiz, auch als Schule für syrische Mädchen diente es schon, in den 1940er Jahren erhielt die italienische Gemeinde die Genehmigung dort ihre wöchentlichen Shabbatgebete zu sprechen. Seit 1951 tun sie dies im prachtvollen Ambiente der Synagoge von Conegliano, zu Yom Kippur 1918 hatte dortselbst der K.K. Militärrabbiner Harry Deutsch den letzten Gottesdienst zelebriert, 1951 wurde das Interieur samt vergoldeten Rokoko Schnitzereien geborgen, nach Jerusalem verschifft, neben seiner hervorragenden Stellung als Ausstellungsstück des Museums dient es so wieder jeden Shabbat als Ort der Huldigung G_ttes.
Oder eben italienischen Liedgutes, im intimen Rahmen von Absolventinnen des Opera Studios, der Nachwuchsschmiede der Tel Aviver Oper, vorgetragen entfalten Bellini, Puccini, Rossini und Verdi ihre ganze Wirkung. Und für die Kleinen gibt´s, unter anderem, am Samstag im Science Museum die Zauberflöte auf Hebräisch. Jerusalem für Alle, was die Musik anlangt stimmt´s also schon!

Epilog

Israels bekanntestes Opernereignis war seit 2010 jenes in Masada, nächstes Jahr zieht man vom Toten nach Timna ans Rote Meer um, der Abstecher von Jerusalem wird dann ein wenig weiter. Heuer bespielt man dafür Ende Juli den Burghof von Akko, die Entführung aus dem Serail passt auch wirklich gut in die Kreuzritterfestung am Ostende des Mittelmeeres. Auch hier werden wieder junge Talente aus dem Studio und bekannte Stars ihr Bestes geben, natürlich Deutsch singen, aber Hebräisch und Arabisch sprechen. Klingt interessant, vielleicht ein wenig verwirrend, aber es läuft ja der englische Text über den Bildschirm. So versteht´s dann wirklich jeder, und am Flughafen wundert sich schön langsam auch keiner mehr, wenn man wegen der Oper nach Israel reist!

www.jerusalem-opera.com
www.itraveljerusalem.com
www.thedavidcitadel.co.il

jerusalem opera festival

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Dieser Beitrag wurde am 2016/07/21 um 13:40 veröffentlicht. Er wurde unter israel, jerusalem abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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