homolka_reist

imperiale reise zum curaufenthalt

So modern das Miramar Hotel rund um die Villa Neptun auch sein mag, im unterirdischen Verbindungsgang zum Hallenbad erinnert man gerne an die „gute alte Zeit“. Auf Schwarzweißphotos sieht man Kurgäste in körperlangen Badekleidern und korrekter Ausgehkleidung auf der Promenade, bunte Werbeplakate locken Bewohner der K.K. Hauptstädte Prag, Budapest und Wien in die Kvarner Bucht. Und stets wird Abbazia als exzellenter „Winter Curort“ apostrophiert, eine Zuordnung die heutzutage etwas konsterniert, haben sich Opatija und Istrien mittlerweile doch eher als Ziele für den Sommerurlaub in unserer Reiseliste verankert.

Doch damals, in der zumindest für eine elitäre Oberschicht, guten alten Zeit suchte man Sommers eher Frische, etwa in Ischl oder am Semmering. Um dort hin zu gelangen bediente man sich der neuesten high-tec-Errungenschaft: der Eisenbahn! Baron Sina hatte, die Trasse seines Kanals nutzend den ersten Schritt getan, die Rothschilds das Kapital für den weiteren Ausbau, das Kaiserhaus stets das strategische Interesse an flottem Transport und übernahm das Unternehmen ergo bald in Staatsbesitz. Vor Allem die Anbindung an die Häfen von Triest, St. Veit am Flaum und natürlich Pula lag ihm am Herzen, also wurde eine Südbahngesellschaft gegründet, der Bau vorangetrieben, die Baulose vergeben. Spätestens angesichts der funkelnden Adria war den Hohen Herren vor Ort allerdings rasch klar, dass man die Schienen nicht nur für Armee und Marine legen sollte, nahm sich ein Beispiel an Igenio Scarpa und begann rund um dessen Villa Angiolina neben der Abtei des Hl. Jakob einen prachtvollen Kurort zu errichten.

Heutzutage kennt ja kaum noch jemand das erhebende Gefühl, erstmals den betörenden Duft von Pinien in der Sonne wahrzunehmen, wenn man -endlich- die Alpen durchquert hat und das nahe Meer schnuppert. Meine erste Erinnerung kann ich noch genau mit dem Ort verbinden, es war in der Nähe von Rupa, dort, wo die Eisenbahnbrücke über die Strasse führt. Und es funktioniert jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, noch immer. Nicht zu Letzt Dank der Tatsache, dass der Majestic Imperator Train de Luxe, mit dem wir reisen, von einer modernen Lokomotive gezogen wird statt Rauch und Dampf zu speihen. Ansonsten umfängt dieser Zeitreisezug einen aber mit Atmosphäre und Luxus längst vergangener Zeiten. Beim Einsteigen wird sich ums Gepäck gekümmert, rote Teppiche ausgerollt, im Salonwagen gefrühstückt, später diniert, sogar dem Laster des Zigarrenrauchens darf man fröhnen, natürlich im eigenen Abteil am Ende des Zuges.

Dort trifft man auch auf den Initiator des historischen Luxusreisens. Gottfried Rieck ist im Stellwerk de Bahnhofs Penzing aufgewachsen, hat, gegen den Willen seiner Mutter aus gutem Haus, eine Lokomotivführerlehre gemacht, als Heizer begonnen, die Fahrberechtigung für sämtliche im Netz der ÖBB verkehrend Lokomotiven gemacht, schliesslich in der Generaldirektion gelandet. Die Idee vom kaiserlichen Salonzug hat dem Vorstand gut gefallen, allerdings nur wenn die ÖBB sich nicht selbst engagieren müsste. Also hat er halt Österreichs erste Privatbahnlizenz erworben, sich selber von der ÖBB geleast, das entsprechende rollende Gut im, damals noch sozialistischen, Tschechien bauen lassen. Mittlerweile lassen sich daraus einige feine Reisezüge zusammenstellen und mieten, wie dies auch die Familie Holleis gemacht hat, um ihre anspruchsvollsten Gäste auf ein paar Tage nach Opatija ins Miramar zu entführen.

Wobei: so eine Entführung lässt man sich gerne gefallen! Und versteht sogleich, warum der Kaiser seine Kati Schratt hier gerne getroffen hat, Sisi ihren Andrássy und Gräfin Henkel Donnersmark die von einem Burgenländer als Urlaubsdomizil errichtete Villa Meyne erstand und nach dem Vorbild des Schloss Miramar in Triest romantisch umgestalten liess. Ein beheiztes Schwimmbad, so wie heute, hatte sie noch nicht, eine standesgemässe Bootsanlegestelle hingegen schon, konnte aber auch auf dem zu jener Zeit angelegten Lungomare zu den auf Empfehlung von Univ. Prof. Theodor Billroth eingerichteten Sanatorien entlang der Küste lustwandeln. Ein auch heute noch durchaus empfehlenswerter Zeitvertreib, während sich die Lungen ander frischen Luft laben ergötzen sich die Augen an stetig wechselnden Bildern von Wellen, Wolken, den Gipfeln von Velebit, Učka und der Insel Cres. Am Horizont gleiten Frachtschiffe und Tanker dem Hafen von Rijeka zu St. Veit am Flaum heisst heute so, falls sie sich weiter oben gefragt haben), einige der kleineren Fischerboote steuern offensichtlich Orte weiter nördlichen oder südlich Opatijas an. Grund genug ausgedehntere Spaziergänge dorthin zu wagen.

Nicht, dass die Küche im Miramar zu wünschen liesse, ganz im Gegenteil, aber das spricht ja nicht gegen einen Ausflug in die lokale Gastronomie. Zumal sich die, gerade in Istrien, mittlerweile nicht zu verstecken braucht. Da haben die Italiener fleissig Wiederaufbauarbeit geleistet, auch und gerade die Kroaten, welche das Meer lieben sind nicht gewillt trocken gegrillte Faserfische zu tolerieren. Müssen sie auch nicht, und so findet man an sonnigen Nachmittagen und erst recht am Wochenende in Volosko am Ende -oder Anfang, je nach Sichtweise- des Lungomare nur mit Geduld ein schönes Platzerl in einem der Meeresfrüchtetempel. Über Plavi Podrum, den Blauen Keller wacht seit 18 Jahren Sommelière Daniela Kramarić, die auch weiss, was für Weine sich mit zart angebratenen Jakobsmuscheln auf Apfelcreme verstehen. Man könnte aber auch nebenan im le Mandrac eine Fritajy probieren, vor Allem wenn der Wildspargel Saison hat der sich mit den winzigen Shrimps so gut macht. Oder auf den Platz in der ersten Reihe am Hafen ganz verzichten und unter historischem Steingewölbe in der Konoba Tramerka ganz traditionell istrischer Kost fröhnen.

Ähnlich darf man sich auch die Wanderung in südlicher Richtung vorstellen, die Lokale heissen dann halt Bevanda, Dopolavoro oder Bistro Bellavista Lovran. Ach, hätten wir nur schon seinerzeit hier Gekurt! Dann könnte man sich den langen Marsch zurück ins Miramar sparen, statt dessen die Tramway nehmen, die bis 1933 an der Küste noch verkehrte. Erste Pläne das Service mit Dampfloks zu betreiben vereitelten die Hotelbesitzer aus verständlichen Gründen, man stellte dann ein 120 PS-Dieselaggregat zur Stromerzeugung dezent versteckt in Punta Kolova hinter die Promenade und fuhr ab 1908 elektrisch. Und zwar von Lovran über Opatija bis hinauf nach Matulij, wo wir morgen auch wieder hin müssen. Denn dort wartet der Imperial Train De Luxe auf uns um uns Standesgemäss wieder heim in die Reichs- und Residenzstadt zu bringen. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut…

INFO
Die nächste nostalgische Sonderfahrt nach Opatija findet von 22. bis 26, April statt, das komplette „kaiserlich königliche Genusspackage“ inklusive 4 Übernachtungen im Superior Doppelzimmer, Gourmet Halbpension, Verpflegung an Bord, musikalischem Programm sowie Nutzung sämtlicher Wellnes Einrichtungen gibt es ab 1.800,- Euro p.P.
www.hotel-miramar.info

DREI ORTE FÜR LEIBLICHEN GENUSS:

MARSCHVERPFLEGUNG
Das Bistro Bellavista in Lovran macht seinem Namen Ehre, schöne Aussicht, jedenfalls besser als die Ansicht, nicht schrecken lassen! Denn wegen der Preise kommen auch die Einheimischen gerne! Stari Grad 22, Tel. +385 51 294461

BEACHLIFE
Angiolina heisst nicht nur die erste Villa Abbazias, auch der neueste Beachclub nennt sich so. Beste Bar, coolste Disco, edelster Strandclub! facebook.com/AngiolinaOpatija/

GIPFELSTURM
Das Haus sieht aus wie von der Rax transplantiert, die Küche ist allerdings deutlich mediteraner. Grandisose Risotti, geräucherte Dorade mit Orangen-Olivenöl Emulsion, fantastischer Wenkeller. Und Ausblick über den ganzen Kvarner! www.dragadilovrana.hr

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Dieser Beitrag wurde am 2018/03/05 um 13:59 veröffentlicht. Er wurde unter kroatien, kvarner, opatija abgelegt und ist mit , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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