homolka_reist

adria mit abwegen

Der Sommer kann ja gar nicht früh genug anfangen, manchmal wird´s dann aber doch recht knapp. Freitag Mittag, zwei Tage bevor der Bürgermeister von Lignano korrekt mit grün-weiß-roter Schärpe dekoriert die „Inaugurazione Stagione Balneare“, die Eröffnung der Badesaison, verkünden wird, präsentiert sich der Lungomare in voller Baustellenpracht. Die Promenade ist mit Absperrgittern dekoriert, dazwischen wuseln die unterschiedlichsten Baumaschinen herum, ein heftiger Wolkenbruch zwischendurch tut das Seine zum Trüben der Urlaubsstimmung.

Grund zur Panik? „Ma no! Keine Sorge, Sonntag früh ist alles a posto“ zeigt sich Kevin zuversichtlich. Er arbeitet für die Comune, organisiert Radausflüge, „natürlich kostenlos für unsere Gäste“, was diese regelmäßig staunen lässt. Überhaupt tut die Gemeinde alles, um ihre Gäste entspannt und glücklich zu machen, „wir haben auch ein Parkservice, man lässt das Auto im Parkhaus und wird samt Gepäck ins Hotel gebracht!“ Retour natürlich auch, in der Zwischenzeit nutzt man einfach das Rad. Etwa eines von jenen, die vor dem „Hotel Europa“ direkt an der Strandpromenade reichlich zur Verfügung stehen. Theoretisch könnte man die gesamte Adriaküste abstrampeln, der entsprechende Fahrrad-Superhighway ist -so gut wie- fertig. „In der Stadt ist das Rad sowieso die angenehmste Art voran zu kommen, aber auch das Hinterland bietet jede Menge schöne Ziele“ präzisiert Kevin.

Und fährt auch gleich los. Erst mal durch den -nomen est omen- Pinienwald von Pineta, danach durch die erst in zwei Monaten aus dem Winterschlaf erwachenden Sommersiedlungen, rührende Beispiele von Ferienhausarchitektur der letzten sechzig Jahre. Kurz nur muss man sich mit der Stradone auseinandersetzen, der vierspurigen, schnürlgeraden Schnellstraße zur Terra Ferma, dem Festland. Unmittelbar nach deren Überbrückung geht es bukolisch auf, wenn überhaupt, von Anrainern und Bauern genutzten Wegen weiter, oder gar am Damm, von dem aus man herrliche Ausblicke über die Lagune von Marano genießt. Das selbstbewusste Fischerdorf ist auch Ziel der Ausfahrt, davor steht allerdings noch eine Stärkung im „Ristorante Fiume Stella“ auf dem Programm. Da sitzt man dann im Schatten üppiger Aubäume, isst und trinkt wie man es sich erwarten darf, während auf dem Fluss Stella glückliche Schiffer dahin treiben.

Auch Hemingway hat´s hier genossen, klar, schaut ein Bisserl aus wie Florida und zu jagen gibt es auch genug. Oder gab, weil mittlerweile schaut man sich die seltenen Viecherl´n in der Lagune lieber an als sie abzuknallen. Und weil man als gemeiner Städter ja gar nicht weiss, worauf man achten soll, gibt es Im Naturschutzgebiet des Valle Canal Novo nicht nur ein kleines Besucherzentrum sondern mit Elisa Peressin auch eine auskunftsfreudige Wissenschaftlerin. „Bei einer Schilfauflage von ungefähr 30 Zentimetern kommt kein Regen durch das Dach und doch kann der Rauch entweichen“ erklärt sie angesichts des Schornsteinlosen Herdes die Vorzüge der historischen Casoni. In denen lebten einst jene Fischer, die mit riesigen Netzen ihre Beute aus den Kanälen hievten, die in ihrer Ruhezeit wie geflochtene Ungetüme weithin übers Schilf zu sehen sind während darunter alle Arten von Wasserfahrzeugen durchschlüpfen.

Ein solches schließt auch die Lücke im Radweg durchs Hinterland, 40 Kilometer waren es her, ganze 4 nautische Meilen mit dem Schiff retour zum Faro, dem Leuchtturm am Porto Vecchio. Wobei sich hier sprachliche Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, der Porto Vecchio ist nämlich auch nicht älter als Lignano selbst, das erst 1903 gegründet wurde. Beziehungsweise wurde das erste Hotel errichtet, und zwar vom Bürgermeister von Marano. Auch ist der Faro nicht wirklich als Leuchtturm erkennbar, liegt auch de jure immer noch im Gemeindegebiet von Maran, woher dann auch passender Weise die Wirtin des „Ristorante al Faro“ 1973 eingewandert ist, um als kleines Mädchen Trafikantin zu werden. Mittlerweile sind noch zwei Hotels dazugekommen und eben das Ristorante welches sie mit Hilfe ihrer Töchter, deren Vater und der dazugehörigen Schwiegersöhne führt. Ach ja, einen echten Chef hat sie auch noch, der hält sich meist im Hintergrund, sorgt für´s korrekte Mis en Place, während Donna Luciana am Herd ihre Show abzieht. Sie lässt sich nämlich gerne in die Töpfe schauen, erklärt wie der Fisch zu zerlegen ist, was wann hinzugefügt werden muss, löscht ab, schwenkt durch, was sie mit einem schelmischen „und jetzt noch ein Bisschen Lambada“ kommentiert, wozu sie die entsprechenden Hüftbewegungen macht. was nicht nur den Chef freut sondern auch sonst -mit- ein Grund für ihren Erfolg sein könnte.

Was aber nicht heißen soll, dass die Köche von Lignano auf die Show angewiesen sind. Vom einstigen „Hausmeisterstrand“ ist nicht mal die geringste Spur erhalten geblieben, Gastronomie und Hotellerie befriedigen auch hohe Ansprüche, das Nachtleben braucht sich nicht verstecken, und der Golfplatz ist auch ein echter. Sonntag in der Früh, lange bevor der Sindaco sich in seinen besten Anzug wirft und die Schärpe zurecht rückt, lacht dann auch die Sonne vom knallblauen Himmel. Der Lungomare ist fertig, die Bauarbeiter weg, am Strand warten die picobello aufgereihten Liegestühle auf sonnenhungrige Gäste. Die Terrazza sul Mare lädt aus gegebenem Anlass auf den Apperetivo ein, ganz nebenbei macht man schon Werbung für „Easy Fish“, das hochkarätig besetzte Food Festival Mitte Juni. Vieni? Certo, da kommt man doch gerne wieder!

TIPPS
Anreise
Natürlich kann man auch mit dem Auto fahren, dann lässt man es am besten am LunaBluParking stehen und lässt sich ins Hotel chauffieren! Oder man nimmt gleich die Bahn bis Udine und lässt sich vom Gratis Shuttle abholen!
lignano.it/de/arrivare

Essen
Luciana vom Ristorante al Faro sollte man unbedingt beim Kochen zuschauen, es reicht aber auch einfach zu essen, sie hat beste Kontakte zu den Fischern von Marano.
ristorantealfaro.com

Ausflug
Hat man seinen eigenen Drahtesel nicht dabei bekommt man in Lignano den Gratis: lignanosabbiadoro.it/de/aktivitaten/89-noleggio-biciclette-gratuito/
Wer ein Ziel braucht möge ins Naturschutzgebiet von Marano radeln, parks.it/riserva.valle.canal.novo, retour kommt man im Nu mit der Fahrradfähre.

lignanosabbiadoro.it/de/

SN_LIGNANO_5:18

Dieser Beitrag wurde am 2018/07/11 um 13:54 veröffentlicht. Er wurde unter friaul - julisch venetien, friuli venezia giluia, italien, Uncategorized abgelegt und ist mit , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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