homolka_reist

45°66’N+15°99’O

besuch bei den fetten säuen ihrer majestät

45°66’N+15°99’O
19. März 2019, 16.10“
Dvorac Lukavec, Turopolje
http://www.turopolje.at

„Ja, es gibt sie, Moslems, die kein Schweinefleisch essen!“ So sieht man die Sache hier in Turopolje. Danke Josip Broz, vulgo Tito, wenigstens in Sachen Religion hat der Kommunismus wenigstens was Gutes geleistet. Wobei das hier nur noch die Alten zu schätzen wissen, heutzutage schlisst man sich gerne dem neuen Europäischen Nationalismus an. Oder schwelgt in Erinnerungen an noch bessere, noch ältere Zeiten, jene von Maria Theresia selig, die mit ihrem Grundbuch immerhin bis heute anerkannte Besitzverhältnisse geschaffen hat.

Und gerade hier an den weiten Save Auen südlich von Zagreb außerdem für satte Untertanen gesorgt, seinerzeit. Als nämlich die Osmanen die aristokratische Kontrolle von Gottes Gnaden in Europa in Frage stellten und gen Norden drängten verlief genau hier eine der wichtigsten Fronten. Am Balkan nämlich, oder besser: im, weil jenes Wort, welches wir heute gerne pejorativ als Bezeichnung für Südosteuropa verwenden im Türkischen nichts anderes als „Wald“ bedeutet. Und der begann genau hier, irgendwo dahinter das Osmanische Reich, und dort sollte es, wenn es nach den herrschenden Geschlechtern Europas ging, auch bleiben.

Das klappte aber nur mit Hilfe mannstarker Armeen, die natürlich zu verpflegen waren, am Besten mit Fleisch, das macht stark und furchtlos. Problematisch ist allerdings dessen ausreichende Herstellung, genügsame Ziegen werden nicht fett genug, Kühe brauchen zu viel Platz, das gemeine Hausschwein frisst den Menschen das Futter weg außerdem sah Majestät ihre Wehrbauern lieber an der Grenze Wache schieben. Maria Theresia war aber, da braucht man sich nur einschlägige zeitgenössische Darstellungen wie ihr Standbild zwischen den beiden Museen in Wien zu Gemüte führen um sich ein Bild zu machen, in Sachen Genuss eine gewichtige Kapazität. Also veranlasste Ihre Majestät schöne fette Berkshire Eber aus England zu holen und die kleinen kroatischen Sauen bespringen zu lassen. Mit der nötigen Konsequenz gezüchtet wurde daraus eine eigene Rasse, die ob ihrer Genügsamkeit und Freude am Leben in freier Natur für die Zwecke der Frontsicherung geradezu idealen turopoljska svinja. Die durchstreiften seither die Save Auen, tauchten nach Muscheln und Wasserpflanzen und was sie sonst noch in den Eichenwäldern aufstöbern konnten, nach zwei Jahren und 200 Kilo schwer wurden sie vom Schlachter zum Dienst an der Front befördert.

Den Jugoslawienkrieg hätten sie dann beinahe nicht überlebt, glücklicher Weise haben ein paar Tierfreunde mit Hilfe vom ehemaligen Schönbrunner Tiergartendirektor Pechlaner einige Exemplare retten und so die weitere Zucht in Österreich sicherstellen können. Und auch in Turopolje selber fanden sich einige Enthusiasten, deren Turopoljes sind zwar jetzt genetisch nicht so einwandfrei, immer wieder beglückt ein freiender Wildschweineber eine der ihren. Seit kurzem wird kooperiert, weswegen man Zwecks weiterer Information im Netz sowohl unter turopolje.at als auch turopolje.hr fündig wird, Kostproben gibt’s am Juniperhof in der Kraftgasse bei Sankt Poelten.  Hoch lebe das vereinte schweinische Europa!

W434_Reisebild Turopolje.pdf

Dieser Beitrag wurde am 2019/04/30 um 10:31 veröffentlicht. Er wurde unter kroatien, turopolje, zagreb, `WIENER´ abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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