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PRIVATE SELECTION – PAROS

Es steht völlig ausser Diskussion, dass man Ostern am feinsten in Griechenland verbringt und sich Griechenland zu Ostern von seiner schönsten Seite zeigt. Der Sommer schickt die ersten Grüsse, die Natur wirft sich in ihr feinstes, grünes Kleid, und die Menschen vergessen in Vorfreude auf die Auferstehung alle Zores, Wirtschaft und Finanzen.

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Und unter all den wunderbaren Orten in Hellas, an denen man so herrlich den Winter hinter sich lassen kann, steht auf meiner persönlichen Hitliste Paros ganz oben, wenn halb Athen die Insel mit Beschlag belegt und das zauberhafte Naoussa nach den ausgesprochen kontemplativen Monaten der Winterruhe wieder zum ausgelassenen Partyort wird.

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Vor der Extase steht allerdings die Besinnung auf dem Programm, den Karfreitag verbringt man am Besten in Mapissa bei der Prozession hinter dem Epitaph, der die Grablegung Jesu in Erinnerung ruft. Der geschmückte Schrein, der symbolisch die Gebeine des Erlösers beinhaltet, wird unter reger Anteilnahme der Gläubigen durch und um den Ort getragen, an den Stationen des Kreuzweges vorbei. Die sind jedoch nicht nur einfach unbelebte Marterln wie bei uns, nein, in Mapissa wird jede Szene aus der Passionsgeschichte leibhaftig nachgestellt, voller Inbrunst wird der gestürzte Messias unter dem Kreuz von römischen Legionären ausgepeitscht, der am Galgen baumelnde Jehuda aus Qariot geschmäht, auf dem zum Golgota umgedeuteten Gemeindeparkplatz dem am Kreuz hängende Gottessohn und seinen zwei Leidensgenossen Mut zugesprochen. Dabei kann es, zumal in kalten Nächten, schon mal vorkommen, dass die Drei gelabt werden müssen, vorzugsweise mittels Souma, dem lokalen, ausgesprochen wohlschmeckenden Grappa, wenn´s dann auch noch regnet und Jesus schon sehr aufgewärmt ist kann ihm schon auch mal ein Wort des Zornes auskommen, nicht gerade „Vater, warum hast du mich verlassen“, eher „Mama, wieso hast du mir keinen Anorak mitgegeben“ oder so.

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Am Samstag verwandelt sich der beschauliche kleine Platz um den Hafen von Naoussa in ein brodelndes Sodom, man muss dazu wissen, dass am Ostersamstag sonst überall in Griechenland brav gefastet wird, während hier von Barbarossa über die schweigenden Fische bis Mario die Küchen der besten Restaurants auf Hochtouren laufen, aus Manoli Somaripas Consolato und der In-Bar Shark dröhnen die Beats und plätschern die Drinks.

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Die ausgelassene Stimmung erfährt noch eine Steigerung, wenn um Mitternacht endlich der Erlöser von den Toten aufersteht, in der Kirche symbolisiert durch die, in einem einzigartigen Staffellauf aus Jerusalem überstellten Flamme der Kerze, mit welcher der Pope aus der Finsternis vor die Gläubigen tritt und das Licht an deren festlich geschmückte Kerzen weiterreicht. Sobald die Leuchtstafette es auf den Vorplatz geschafft hat beginnt ein ohrenbetäubendes Feuerwerk, danach geht´s zur Omi auf eine Magiritsa, die traditionelle Suppe aus Lamminnereien, und zum Eierpecken, danach wieder in die Lokale des Ortes zum ausgelassenen Feiern.

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Am Sonntag trifft man sich wieder, mit verschlafenem Gesichtsausdruck mustert man das Lamm, welches -hoffentlich- seit den Morgenstunden am Spiess über dem Feuer rotiert. Die dafür zuständigen Männer sind meist direkt von der Auferstehungsparty zum Dienst erschienen, wieder hilft reichlich Souma über die Unpässlichkeiten hinweg. Mein Lieblingslamm dreht sich auf dem Parkplatz hinter dem Hotel Maryo Village, die Eigentümer richten die Grillparty für ihre Hausgäste aus, welche allerdings meist in der Minderheit gegenüber den Freunden von der Insel sind.

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Rund um den Hochaltar des duftenden Lamm Gottes parken sonst die Angestellten, heute eben die Fahrzeuge der Freunde, vom alten Motoroller über Land Rover und R4 ist da alles vertreten, was -noch- fährt. Oder fliegt, irgend jemand ist mit dem Helikopter vom Chef angereist, den hat er vorher noch nach Mykonos gebracht, dort feiern nämlich die wirklich Vermögenden.

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Die Freude über die Wiederkehr des Erlösers wird verstärkt durch den Genuss von, erraten, reichlich Souma, das Lamm wird immer wesentlich später fertig, als angekündigt, die Wirkung von Hochprozentigem auf nüchternen Magen darf als bekannt vorausgesetzt werden. So wird schliesslich auch der Pool eröffnet, so früh in der Saison gerne auch ohne angemessene Bademode, egal, tanzend wärmen sich die Gäste und irgendwann wird auch das Outfit wieder trocken werden.

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Über das Ende des endlosen Nachmittags gibt es anderntags nur wenige brauchbare Erinnerungen, doch ein Jeder weiss, dass es schön gewesen sein muss. Langsam wird gepackt, kurz nach sieben geht die Fähre, danach kehrt wieder Ruhe ein. Die Einheimischen kommen auch wieder ans Licht, kurz vor der Dämmerung versammeln sie sich im Hafen, beseitigen Spuren, ein Häufchen Unentwegter findet sich wieder im Shark ein, die Gassen sind erstaunlich leer. Bis zum Sommer, dann geht es weiter, mit dem Feiern auf Paros!

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Dieser Beitrag wurde am 2014/04/16 um 10:10 veröffentlicht. Er wurde unter ägäis, inseln, mit besten empfehlungen, paros, PRIVATE COLLECTION abgelegt und ist mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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