homolka_reist

wie immer nur anders

Lustig, wenn man eingeladen wird, eine Stadt, in welcher man etliche Jahre seines Lebens, und nicht mal die unwichtigsten, verbracht hat, um ebendiese schnell mal kennen zu lernen.
Na klar, meinen Sie nun, der Homolka lässt sich einladen, um endlich wieder seiner anderen Heimatstadt einen Besuch abzustatten, und das natürlich möglichst kostengünstig, schliesslich stecken die Verlage ihre Gewinne lieber in Geschäftsführer und ihre Limousinen als sie ins Produkt zu reinvestieren.

Stimmt natürlich nicht, oder nur zum Teil, und zwar zum kleineren, tatsächlich ist es von Vorteil, ab und an mal die eigene Anschauung durch jene von unvoreingenommenen Zeugen zu kalibrieren, ich bin ja, gerade was Griechenland anlangt, derart voreingenommen, dass ich meine subjektive Objektivität* nur durch den Vergleich mit jener Unbescholtener Kollegen aufrecht erhalten kann.

Um nicht direkt ins kalte Wasser zu springen habe ich mir erlaubt die Anreise ins Grecotel Kap Sounio nach einem Tag der Akklimatisation in der Stadt mittels Motorrad statt gemeinschaftlich im Airportshuttle zu absolvieren. Hierfür habe ich wieder mal die Dienste von Theodores Motorent in Anspruch genommen, in Anbetracht der 67 Kilometer Wegstrecke an die Südspitze von Attika bekam ich nicht mein übliches Papaki ausgefolgt sondern eine 200er Honda aus brasilianischer Produktion.

Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, das genau so zu halten, natürlich nur, soferne Sie halbwegs geübt im Umgang mit einspurigen Motorfahrzeugen und leidlich mutig sind. Nicht, dass es gefährlicher wäre, als zwischen den sturen, rücksichtslosen nordeuropäischen Autofahrern um sein Leben zu fürchten, aux contraire, hier wird jeder Verkehrsteilnehmer nach seiner Facon glücklich, der Novize braucht allerdings eine gewisse Zeit, um dieses neuartige Erlebnis wirklich geniessen zu können.

Spätestens in Vougliagmeni stellen sich dann auch bei der Sozia Glücksgefühle ein, hier beginnt die Küstenstrasse mit ein paar eleganten Kurven durch jene felsigen Buchten, die bei passender Gelegenheit auch kolossalen Badespass bieten, kristallklares Wasser und weisse Klippen lassen einen glauben, man wäre auf einer abgelegenen Insel, wenn sich nicht gerade ein übermotivierter Amateurrennfahrer überschätzt und seinen frisierten Kleinwagen gegen die Leitschiene oder gar die Böschung hinunter chauffiert.

Nachdem man eine Reihe unterschiedlich abgewohnter Vororte, akribisch von blickdichten Zäunen und martialisch ausstaffierten Privatscheriffs gesicherten Luxusvillen von Reedern, Politikern und anderen Nutzniessern des neoliberalen Systems und ein paar scheinbar unberührte Küstenabschnitte passiert hat, kommt man nach einer knappen Stunde beschwingter Fahrt recht unvermittelt um eine Halbinsel und erblickt: Sounio!
Der Tempel des Poseidon grüsst majestätisch von seinem Felsen, hoch über dem Saronischen Golf, idealer Weise von der tief stehenden Abendsonne kontrastreich in Szene gesetzt, ein würdiges Schlussbild eines an erhabenen Ausblicken reichen Road Movies!

Und das Beste daran: der nächste Tag beginnt mit der selben Strecke, in die andere Richtung, im Morgenlicht, da verzichte ich gern auf das üppige Frühstücksbuffet im Hotel, ein schneller Kapoutsino Frento unterwegs reicht völlig!

*: `Objektivität´ in der Berichterstattung ist ein schönes Konzept, realistischer Weise jedoch nur eingeschränkt durchführbar. Meine persönliche Strategie ist es, mir die eigene Subjektivität erstens bewusst zu behalten, sie auch gar nicht zu negieren, allerdings, zweitens, dies auch zum Ausdruck zu bringen, so dass Sie, geschätzte Leser, genau wissen wie Sie meine Berichte einzuschätzen haben.

Dieser Beitrag wurde am 2014/05/16 um 09:47 veröffentlicht. Er wurde unter athen, griechenland, saronischer golf abgelegt und ist mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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