homolka_reist

schnell mal in die oase

Anflug im ersten Sonnenlicht, unten karge Landschaft, Wüste, Sinkflug, Kurve, jetzt erkennt man die Plantagen, zwischen den akribisch rechtwinkelig angepflanzten Palmenreihen funkeln riesige Lacken, wer hat der hat, wir landen schliesslich in der letzten wirklich grossen Oase vor der unendlichen Sahara. Wobei gross natürlich relativ ist, von oben wirkt die Ortschaft inmitten der weiten Ebene klein und überschaubar, umso beeindruckender präsentiert sich die Landebahn. Nicht von ungefähr hat man hier geklotzt, vom Flughafen Tozeur kann man schön Algerien kontrollieren, und selbst nach Libyen schafft´s ein Jet im Nu. In der Gegenrichtung kam vor knapp zwei Jahren ein ganz dicker Vogel geflogen, und dann gleich noch einer, Ghadaffis Jumbo Jets haben hier eine letzte Zuflucht gefunden, schöne Flugzeuge an sich, vor allem in der Privatausführung mit nur wenigen Bullaugen. Leider verfügen aber die Exemplare hier auch nur mehr über wenige Triebwerke, die werden wohl noch einige Zeit die kleine Ankunftshalle überragen.

Der arabische Frühling aber blüht weiter in Tunesien, von den manchmal aufkommenden Spannungen merkt man hier in Tozeur nichts, die Menschen sind froh über die gewonnene Freiheit, demonstrieren sollen sie anderswo. Die beschauliche Stadt liegt in der Palmeriae de Tozeur am Rand des Chott el-Jerid, einem trockengefallenen Salzsee auf Meeresniveau, immer wieder wälzt man Pläne, ihn wieder mit dem Meer zu verbinden, um etwas Wasser in die Wüste zu leiten. Das könnte den Grundwasserspiegel anheben, aber eben auch die unterirdischen Quellen irritieren, und das wäre schade, denn dann hätte das Hotel Ras El Ain vielleicht Probleme seinen impossanten Pool zu Wohle der Gäste mit wohlig warmem Wasser aus der Tiefe der Oase zu füllen.

So ein Bad tut nämlich besonders gut, wenn man windgebeutelt aus der Wüste heimkommt, da ist einem nämlich oft gar nicht mehr so heiss, schon gar nicht in den sternenklaren kühlen Nächten. Mit den Sternen hat auch das beliebteste Ausflugsziel von Tozeur zu tun, dem Krieg der Sterne um genau zu sein, nur zwanzig Kilometer entfernt hat George Lucas zwischen den ersten malerischen Dünen seinerzeit das Dorf Obi wan Kenobis aus dem sand stampfen lassen, es sieht noch immer ziemlich ausserirdisch aus, könnte aber schön langsam neues Make Up vertragen.

Weiter richtung Norden ragen hinter den Salzseen Chott el Rahim und Mejez Sfa schroffe Felsen aus der Landschaft, ein kleines Flusstal führt dazwischen hindurch hinauf in die Bergoase Tamerza. Schon die Römer hatten hier ein startegisch wichtiges Lager am Limes Africanus errichtet, ein leicht zu verteidigender Hügel im wasserreichen Tal konnte ihrer Aufmerksamkeit natürlich nicht entgehen. Aus dem Legionslager hat sich eine malerische Stadt entwickelt, zu deren Füssen ein Palmenhain und fruchtbare Weideflächen sicheres Auskommen versprachen, und noch immer kann man von dort oben Hirten und Bäuerinnen beim Tagwerk beobachten. Die schöne Altstadt hat allerdings ein dreiwöchiger Dauerregen zerstört, ganz wie in vielen Überlieferungen die Geschichte von der Sintflut erzählt wird, haben die unaufhörlichen Niederschläge erst die Lehmdächer aufgelöst, die Ziegel durchtränkt, bis die Mauern nachgaben, schliesslich riss auch noch der Hochwasser führende Fluss Teile des Hügels mit, auf welchem die Menschen bis dahin jahrhundertelang sicher gelebt hatten.

Mittlerweile haben sie sich am sicheren Ufer angesiedelt, leben in soliden Häusern, aber bei weitem nicht so luxuriös wie die Gäste des Tamerza Palace oben am Hang mit prachtvollem Blick auf ihre einstige Heimat. Wie eine trutzige Karavanserai blickt es über das Tal, der Ausblick ist von jedem Zimmer spektakulär, am schönsten aber aus dem Pool des Spa Bereichs, der den verwöhnten Besucher wie ein heimeliger Hamam willkommen heisst. Nur das Wasser ist nicht so schön warm wie unten in Tozeur, es strömt erfrischend kühl aus einer der Quellen, die wundersamer Weise auch im Sommer noch die Oase vor dem Fenster spriessen lassen.

Dieser Beitrag wurde am 2015/05/20 um 12:42 veröffentlicht und ist unter tamerza, tozeur, tunesien abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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