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coolrides in athen

Man kann in Athen eigentlich nicht nicht Motorrad fahren. Mit geschätzten sechs Millionen täglichen Nutzern, die dauernd von irgend einem Alpha zu einem Beta müssen, warumauchimmer, und zwar möglichst rasch, gibt es keine erträgliche Alternative zum Zweirad. Zumal gut die Hälfte der Bewohner meint, unbedingt mit dem Auto fahren zu müssen, gleichzeitig überall, Staus bis weit nach Mitternacht sind da nicht weiter verwunderlich. Für uns jedenfalls Grund genug, auch diesmal zu allererst bei Sophia und Theodor vorstellig zu werden, der mit seiner Firma Motorent  seit 1976 Zweiräder für den täglichen Strassenkampf vermietet.

Hatten wir im letzten Jahrtausend noch auf einer wunderschiachen Vespa 200 die weitere Umgebung erkundet, später mit Honda Cubs und ähnlichen Ackertieren die Stadt unsicher gemacht bietet Motorent nunmehr vom zuverlässigen Scooteraki bis zur großen GS fahrbare Untersätze für jeden Anlass.

Diesmal ist der Roller angeraten, nur mit dem lässt sich der Stadtverkehr hier in der Vorweihnachtszeit wirklich handeln, auch wenn es sich sogar mit der Minimalausstattung oft als unmöglich erweist, legale Abstellmöglichkeiten zu finden. Wobei: was heisst schon legal? Nicht viel, in Hellas, Nummerntafeln montiert man, wenn überhaupt, am liebsten innen im hinteren Kotflügel, Prüfzeichen auf Auspuffendtöpfen dürfte oft der Spengler höchstselbst angebracht haben, die Ausstattung eines Kraftfahrzeuges richtet sich in erster Linie nach den persönlichen Vorlieben des Halters.

Sogar auf den Suzukis der Verkehrspolizei findet man häufig Remus und Akrapovic oder ambitionierte Kopien der beliebten Endtöpfe, allerdings praktisch nie mit Dezibelkiller. Die Helmpflicht, welche in Griechenland übrigens schon länger gilt, als in Österreich, setzen sie, so trug man mir zu, auch nur auf ausdrückliche Weisung des zuständigen Ministers durch. Und auch dann nur bei männlichen Piloten, der korrekte Sitz von Damenfrisuren rangiert eindeutig über Sicherheitsaspekten.

Überhaupt ist das Aussehen und der coole Auftritt den Griechen, wie eigentlich allen Mittelmeeranrainern, ausgesprochen wichtig, gute Vorraussetzungen also für Unternehmer mit Geschmack. Wie zum Beispiel den Grafiker Nikos Theodoropoulos. Der hat 2012 mit Gleichgesinnten „The Real Intellectuals“ ins Leben gerufen, um Kreativität und Motorradleidenschaft unter einen Hut zu bringen.

Anfangs waren es T-Shirts, die sie mit Bike-affinen Designs bedruckten, später kamen individuell von Hand bemalte Helme dazu, die immer noch zu ihren absoluten Spezialitäten und Verkaufshits zählen. In ihrer kleinen Boutique im quirligen Szeneviertel Psirri bieten sie nun aber auch jede Menge Accessoires und Eigenmarken sowie Produkte ihrer Partner an, lauter Musts, von Deus über Carver bis zu DMD.

Die griechische Motorradszene lebt aber nicht zu letzt von Individualisten, die sich jeder komerzialisierung entziehen und einfach das machen, was ihnen Freude macht. Und Freunde! Genau so einer ist Giorgos Fakinos, genannt Rusty George, in dessen Stall in der Nähe des Flughafen El. Venizelos sich diese Freunde gerne am Wochenende treffen. Und ein Lamm über dem Feuer rotieren lassen, die eine oder andere Dose Bier zischen lassen, und, wenn´s denn sein muss, an ihren Bikes herumschrauben.

George hat früher zeitweise im Auftrag Motorräder gebaut, das wurde ihm zu komerziell, jetzt mag er kein Geld mehr dafür nehmen. Immerhin hat er neben seinem „richtigen“Job nach sechzehn Jahren letztes Monat das Studium der Technik erfolgreich abgeschlossen, „jetzt hab ich ein Diplom mit meinem Namen drauf hier im Stall hängen. Schön, aber eigentlich egal. Wichtiger ist, dass wir Spass haben, und Platz für unsere Bikes und die luftgekühlten Volkswagen, unsere andere Leidenschaft“. Im Schatten jenes T1, mit dem die mittlerweile zum Megakonzern gewachsene, einst bäuerliche Jpghurtfabrik FAGE, ab 1958 ihre Produkte auslieferte geniessen wir die Wintersonne und ein Gläschen Tsipuro, natürlich aus eigener Produktion. „Nicht ganz“, korrigiert George, „die Schnappsbrennerin in der Familie ist meine Tante!“

Überhaupt, die griechische Familie! Spiros, den wir als nächsten in seiner Wohnung in Argyroupoli mit Blick weit über die Bucht von Piäus besuchen, hat den von ihm gebauten kleinen Suzuki Café Racer gleich nach seinen beiden Kindern benannt. „Eledin“ weist die Tankbemalung als Markennamen aus, eine Kombination von ELektra und KonstanDINos, mit einem elegant verlängerten N-Unterstrich.

Der dient dem Familienfrieden, „Elektra ist die ältere, also steht sie am Anfang, Dinos habe ich erklärt, dass durch das verlängerte N er sie quasi überholt. Das gefällt ihm natürlich!“ Die Eledin hat aber auch das Taschengeld der Kinder nicht über die Massen geschmälert, nur ganze 1700 Euro sind ins Projekt geflossen, inclusive Spendermotorrad und Nebengeräuschen. Spiros ist nebenbei der inoffizielle Botschafter von „Motorcycle Restoring & Customizing Greece“ , und lebt streng nach dem Vereinsmotto der Gruppe ohne geographische Heimat. „it´s not what you buy, it´s what you build!“ lautet der Wappenspruch.

Der beschreibt aber auch gleich die ganze Szene in Griechenland, kaum ein Gerät fährt hier serienmässig rum. Und sei´s auch nur eine Zahnriehenabdeckung aus Zeitungspapier, die den Winter über die empfindliche Innereine einer Duc vor Witterungseinflüssen bewahren soll…

Mehr?
Hier: http://www.coolrides.at/athen-travel-customizing-mechanakia/

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Dieser Beitrag wurde am 2016/12/23 um 13:35 veröffentlicht. Er wurde unter athen, COOLRIDES, griechenland abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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