homolka_reist

mamma mia!

Was für ein passender Titel. Genau dieser Hilferuf ging mir durch den Kopf, als meine Tochter ihr Ansuchen vorbrachte, die Kinoversion des Abba-Musicals zu sehen. Björn, Benni und wie sie alle heissen gehören ja nicht gerade auf meine persönliche Playlist, vielleicht auch, weil sie mich an meine eigenen Modesünden erinnern. „Der g´fallt dir sicher! Weil: den haben sie auf einer Insel in der Ägäis gedreht! Und der Pierci und diese Meryl Strip spielen auch mit…“ Die Kleine weiss, wie man mich rumkriegt.

Honey, Honey!

Tatsächlich, gleich die erste Location hat mich überzeugt. Blick auf kristallklares azurblaues Wasser, die Felsen, den Duft der Pinien kann man fast riechen. Und drei süsse Mädels tun, was man auf einer griechischen Insel so hervorragend kann: das Leben geniessen, abhängen, über´s Leben und die Liebe reden.

Chiquitita tell me what´s wrong!

In der folgenden Einstellung regt sich in mir jedoch Wiederstand. Pierce und ein weiterer potentieller Vater von Streeps Tochter, die, wie Sie sicher wissen, zu heiraten gedenkt, rasen mit zwei Taxis zum Pier im Hafen von Skiathos, während wir sehen, wie das Kaiki ablegt. Also bitte, was soll denn das? Wie jeder erfahrene Griechenlandreisende weiss, bringt es hier kein Kapitän über´s Herz, offensichtlich nur wenig verspätete Passagiere so vor den Kopf zu stossen. „Also erstens haben wir hier immer noch ein wenig Zeit“ erklärt Kapitän lambros, „und ausserdem: wieso soll ich wegen ein, zwei Minuten auf ein paar Euro verzichten?“ Und Ladas fährt hier sicher kein einziger Taxler, schon gar nicht in Blau oder Rot, „die Farben sind vorgeschrieben, aber die Amerikaner machen ja was sie wollen“ echauffiert sich Lambros. Gemach, ist doch nur ein Märchen, ausserdem ist Rita Wilson, die Produzentin und Gattin von Tom Hanks eigentlich selbst Griechin…

Waterloo!

Der Hafen, in dem die Hochzeitsgesellschafft schliesslich ankommt, ist etwas schwieriger ausfindig zu machen, als die Mole von Skiathos. Die sieht man nämlich schon beim Anflug auf die Insel. Muss lustig gewesen sein beim Dreh, „no clearence for Landing OS 9087, we are shooting. No, not at you, Movie, understand?“ Griechische Airtraficcontroller wissen, Prioritäten zu setzen. Der Ort in der malerischen Bucht mit dem überbreiten Steg hört auf den Namen Damuchari. Sie könnten nun versuchen, ihn auf der Karte vom Autoverleih zu finden, wird aber nix helfen. Weil Damuchari drüben am Festland liegt, genauer am Fusse des Pilion, das ist der Gebirgszug, den Sie im Nordwesten erkennen können. Übrigens ein netter Ausflug dorthin, total abgeschieden, und mit einem Hotel gesegnet, das seinesgleichen sucht. Honeymoon special, passend zur Lovestory des Films….

It´s a rich man´s World.

Muss nicht sein, aber wer so einen historischen Land Rover wie Donna im Film fahren will, sollte besser ein solcher sein. Sonst tut´s auch ein kleines Spuckerl, das man sich in Skiathos gleich zum Flughafen bringen lassen kann. Mit der Fähre ist es dann nur ein Katzensprung nach Skopelos, wo der Grossteil der Aussenaufnahmen gedreht wurde. Man versteht schon bei der Anäherung warum, die Pinienwälder reichen bis an den Strand, wo gibt´s das sonst in der Ägäis. Individualisten werden es geniessen, die phantastischen Drehorte an allen Ecken der Insel auf eigene Faust zu erkunden. Dazu sind allerdings ein kleiner Jeep, eine detailierte Karte sowie einige Geduld angeraten. Sie besitzen nichts davon? Dann fragen Sie doch einfach im Büro von Madro Travel, gleich vorne am alten Hafen nach George! Giorgos Drossou hat nämlich schon bei den Dreharbeiten die Transporte koordiniert, kennt sich also aus. „Wir haben das gesammte Equipment von den Sattelschleppern auf fast hindert kleine Pick Ups umgeladen, sonst wären die ja zu keiner einzigen Location gekommen.“ Doch nicht nur über Pierce und Meryl weiss George zu berichten. Wer sich in seine Obhut begibt, braucht weder Reiseführer noch Wikipedia. Von Details der Besiedlung der Insel durch die Söhne der berühmten Ariadne, allerdings alle drei unehelich in einer Nacht von Poseidon empfangen, und so eine Verbindung minoischer und dorischer Zivilisation bildend, führt die Reise über die Hochblüte der Insel im achtzehnten Jahrhundert, als England, Russland und Frankreich hier Konsulate unterhielten, über Versuche der Beatels, ein vorgelagertes Eiland zu erstehen, bis zu Ivan Rebroff und Hans Werner Fassbinder, die hier so manche lange Sommernacht über gemeinsame Projekten brüteten.

Doch viel wichtiger als die Prominenten sind ihm die lokalen Künstler und Handwerker. „Sie müssen unbedingt Rodios in seiner Keramikwerkstatt besuchen. Sein Grossvater hat die alte Zweifarbentechnik wiedererweckt, und er ist nun der einzige, der diese beherrscht.“ Tatsächlich finden sich in den Regalen Vasen, die aussehen, wie soeben aus dem Museum entwendet. „Werden selten gekauft. In der Literatur wird immer über die Drei-Brand-Technik geschrieben. Tatsächlich waren es aber sieben Durchgänge damals, und genau so mach ich´s auch! Wodurch die Teile wohl zu teuer werden, für den durchschnittlichen Touristen“ bedauert Nikos. Auch Iannis Boudals´ handwerkliche Fähigkeiten sind nicht jedermann zugänglich. „Scale Montels“ verspricht das Schild an seinem Schuppen, Rechtschreibung gehört nicht zu seinen Stärken, dafür sägt, schnitzt und schmirgelt er Schiffsmodelle, die von Museen weltweit geordert werden. Und selbst Mr. Bush Jr. erfreut sich im Ruhestand am Anblick einer Nachbildung der dreimastigen Constitution, immerhin dreieinhalb Meter lang, musste allerdings auch fünfzehn Monate darauf warten.

Ich kann Sie jedoch beruhigen, die Stadt hat auch durchaus erschwingliche Souvenirs im Angebot. Zum Beispiel bei Peggy Iannakopoulou. Die rüstige Dame steht vor Ihrem kleinen Schmucklädchen und wartet auf Kundschaft. „Pierce Brosnan und Tom Hanks haben bei mir Kleinigjeiten für ihre Damen gekauft“ erzählt sie stolz, Meryl Streep war nicht da „aber so eine Dame bekommt sicher Schmuck geschenkt, den ich gar nicht im Angebot habe!“

Does your Mother know that you´re out?

Nebenan im „Gorgones“, einer winzigen Taverne, deren Sessel und Tische auf die Gasse quellen, und deren Dekor an die geschmackvolle Ausstattung des Films erinnert, haben sie sich dann gestärkt. „Pierce Brosnan war praktisch jeden Abend da, ist lange geblieben, hat einen Ouzo getrunken, und dann noch einen, aber nie zu viel“ erinnert sich Lefteris. „Nur die Burschen vom Ballet haben manchmal über die Stränge geschlagen, und ab und zu gab´s kleine Eifersüchteleien…“ Wie alle, über die in jenem Sommer Hollywood hereingebrochen ist, meint er aber : „eigentlich war´s ganz normal. All die Superstars waren wie normale Touristen, konnten unbehelligt den Sommer auf unserer Insel geniessen.“

Wenn auch mit Einschränkungen. „Unglaublich! Jeden Morgen wurden sie um halbsieben in der Früh zum Set gebracht, alles extrem professionell.“ Efi Kalanzi war dann schon dort, hat in ihrem Kastenwagen mit den Kostümen für Donna und die Damen gewartet. „Ich hab mich einfach auf eine Annonce gemeldet, und weil ich ein passendes Auto vorweisen konnte, war ich plötzlich Garderobiere. Es war herrlich“, meint sie, während sie durch ihr Laikographiko Mouseio führt, wo weitere Zeugnisse des kunsthandwerklichen Talents der Inselbewohner zu bewundern sind.

George drängt schon wieder, da gäbe es noch so viel zu sehen und entdecken. „Das südöstliche Ende der Insel haben wir zum Nationalpark erklärt, im ursprünglichen Mischwald leben über vierhundert Tierarten. Und unten das Meer ist auch ein Schutzgebiet, bis hinüber nach Alonissos, da leben jede Menge Mönchsrobben.“ Und ich möchte unbedingt noch Aghios Ioannis sehen, die Kirche, welche so unglaublich spektakulär auf dem steilen Felsen balanciert, und den perfekten Hintergrund für die überraschende Wendung bei der abschliessenden Hochzeitszeremonie bietet. „Ich denke, du verstehst schön langsam, warum die Darsteller unisono erklärt haben, die Rolle in Mamma Mia wäre der beste Job gewesen, den sie je angenommen hätten. Keiner hatte das Gefühl zu arbeiten, alle meinten, es wäre Urlaub gewesen!“

Thank you for the Music!

Malista, Giorgos, katalava! Nix wie hin, Locations erforschen, vielleicht den Film nochmal im Open Air Kino geniessen, dazu noch ein wichtiger Tipp: diesmal unbedingt bis zum Nachspann sitzen bleiben! Glauben Sie mir, die schräge Gesangseinlage aller Stars in grotesken Abba-Kostümen ganz zu Schluss bringt die ausgelassene Stimmung bei den Dreharbeiten in der Ägäis auf den Punkt!

 

mamma-mia-1

Griechenland_D/E.pdf

Infos

(Stand 2013)

Anreise

Austrian MyHoliday fliegt ein Mal wöchentlich von Wien und Graz direkt nach Skiathos

Zwischen den Inseln

Von Skiathos legen mehrmals täglich Fähren der Helenic Seaways nach Skopelos und Alonissos ab, ein Ticket nach Glossa, dem nächstgelegenen Hafen kostet € 10.-, mit einem Auto zahlt man € 35,-

Überdies gibt es eine Vielzahl von Ausflugsbooten die verschiedene Strände und Häfen ansteuern.

Mietwagen

Kosmos verleiht seit 1977 Autos, verfügt, neben der Zentrale in Athen über 25 Büros in Griechenland, und kennt Griechenland besser, als die üblichen internationalen Ketten. Man kann sich einen wagen praktisch überall hinbestellen, Anfragen werden individuell bearbeitet. Büros in Skiathos und Skopelos, Zentrale Reservierung unter Tel. +302109234695 www.kosmos-carrental.com

Informationen für Individualreisende erhalten Sie bei Pabel Tours (pantelis, +302427021824) auf Skiathos, wo Sie auch Transfers, Hotels und Ausflüge buchen können.

Auf Skopelos wenden Sie sich vertrauensvoll an George und Machi Drossou von Madro Travel (enquieries, +3024224022145). Ausser informativen Stadtpaziergängen und Touren über die Insel steht auch ein ausflug mit dem Kaiki in den Meeresnationalpark auf dem Programm.

Hotels

Skiathos verfügt, dank seines Flughafens über zahlreiche grössere Hotels. Neben den üblichen All Inclusive Häusern der Reiseveranstalter finden sich auch einige feine Boutiquehotels. Etwa das Aegean Suites, ein Small Luxury Hotel, und also ein Haus für gehobene Ansprüche. Es liegt, angelegt wie ein kleines Dorf, am Sandstrand eineinhalb Kilometer westlich der Stadt.

Häuser

Skopelos hingegen ist eher etwas für Freunde individueller Privatunterkünfte, neben einigen kleinen Hotels sind besonders die reichlich vorhandenen Vullen zu empfehlen. Die Villa Dimitri zum Beispiel liegt oberhalb der Altstadt mit traumhaften Blick über die Bucht, der eigene Swimmingpool lässt die Entfernung zum Strand vergessen. Zu Buchen über ist das schmucke Häuschen über www.greekislandsclub.com. Auch auf der Homepage von Madro Travel finden sich feine Villen sowie kleine Hotels.

Wer schliesslich dem ganzen Rummel entfliehen will, ist im Miramare Damuchari bestens aufgehoben. Apostolos, Hotelier, Sammler und Unikum, hat in den alten Gemäuern und üppigen Gärten ein einzigartiges Ambiente mit fünfzehn Gästezimmern geschaffen. Nicht ganz eifach zu erreichen, aber die Reise wert! www.pelion.gr/hotel/damuchari +30426049840

Dieser Beitrag wurde am 2017/04/30 um 09:55 veröffentlicht. Er wurde unter ägäis, griechenland, skopelos, sporaden abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: