homolka_reist

nimmer lang…

Luft, Licht, Leichtigkeit- nach den Weihnachtswochen in der Stube und einem überraschend doch noch hereingebrochenen Spätwinter sehnt sich die Seele nach Sonne, der Körper nach Auslauf ohne Frostschutz. Kriegt er, auf den Inseln im Golf von Athen!

Zwei Stunden Flug, dann noch eine im X96, kurz darauf lehnt man an der Reling. Schon während der halsbrecherischen Fahrt mit dem Airport-Piraeus-Shuttle geniesst man den Ausblick auf den Saronischen Golf, die vorgelagerten Inseln, die beindruckenden Gipfel auf dem Peloponnes und im attischen Hinterland, hinter der bald die Sonne versinken wird. Noch schickt sie ihre wärmenden Strahlen funkelnd über das Meer. Sie müssen sich nur rechtzeitig einen Sitzplatz auf der linken Seite des Buses sichern, am Besten über den Rädern, von diesem Hochsitz sieht man ungestört selbst über die immer noch reichlichen Angeberautos der Krisengewinnler hinweg. Um einen Platz auf einem Schiff zu den Inseln muss man sich jetzt im Winter keine Sorgen machen, der Bus hält direkt vor dem richtigen Pier, Ticket gibt´s am Kiosk, und schon rauscht man hinaus ins Blaue.

Der Flying Dolphin bahnt sich erst mal den Weg durch das Hafenbecken, vorbei an riesigen Fähren, Kreuzfahrtschiffen und Lotsenbooten, erst wenn das Leuchtfeuer an der Ausfahrt passiert ist, schiebt der Kapitän die Gashebel auf volle Fahrt. Die russischen Dieselmotoren jubeln hoch, schicken eine dunkle Abgaswolke in den Abendhimmel, der Flying Dolphin hebt sich auf seinen Tragflügeln aus den Fluten, rast endlich widerstandsarm und ohne gross zu schaukeln über die Wasseroberfläche. Scheinbar haarscharf zischt man an winzigen, auf den Wellen schaukelnden Kaikis vorbei, völlig unbeeindruckt gehen darauf verwitterte Fischer ihrer Arbeit an den Netzen nach. An Steuerbord grüsst Aegina, vielleicht erkennt man noch die Säulen des Tempels der Aphaia oben im Wald, den können wir später auch noch besuchen. Nach einer Dreiviertel Stunde zieht das Tragflächenboot in einer eleganten Kurve in den Kanal von Poros, zu beiden Seiten dicht verparkt von allerlei Nautischen Vehikeln. Ein kurzer Zwischenhalt, Wiedersehensfreude macht sich Lautstark Luft, schon geht es weiter. Erst langsam, Mopeds überholen wenige Meter entfernt am Kai, so nah, dass man sieht, was gerade im Café an der Promenade serviert wird. Am Ortsende wieder das bekannte Beschleunigungsritual, kleine, an der Mole vertäute Ruderboote tanzen auf unserer Bugwelle. Der Kapitän hält nun auf ein Kap zu, erst meint man an den Felsen zu zerschellen, Unsinn, natürlich, da ist Platz genug, gerade mal, und schon erspäht man das nahe Ziel: Hydra!

Wie ein gestrandeter steinerner Wal liegt die Insel kahl vor dem nahen Peloponnes, die Osmanen haben sich mit gründlicher Entwaldung für die federführende Teilnahme der hydriotischen Kapitäne am Unabhängigkeitskampf im neunzehnten Jahrhundert revanchiert. Vereinzelt grüssen Klöster von der Höhe, die wahre Pracht Hydras zeigt sich erst im Hafen der Insel. Der ist gesäumt von mächtigen Kapitänshäusern, unten geräumige Lager, obenauf gediegene Wohnungen, dahinter zieht sich die Stadt den Berg hoch, wie ein Amphitheater umfängt es das Hufeisen des Hafens. Am Kai stehen schon die neugierigen Insulaner, wer kommt heute an, wer verlässt uns? Und dann sind da diese Pärchen, allesamt verheiratet, aber nicht unbedingt miteinander. Sie sind wahrscheinlich mit dem Boot am frühen morgen angekommen, haben einen zweisamen Tag hier verbracht, bald werden sie wieder, als wären sie nur im Büro gewesen, in Athen nach Hause kommen. Ja, auch die Griechen wissen diesen romantischen Ort zu schätzen, einmal noch brummt die Maschine des Flying Delphins auf, doch sobald er die Kurve raus nach Nordosten gekriegt hat, ist der Spuk vorbei. Dann trübt kein Motorengeräusch mehr die Stimmung, Autos sind hier verboten, auch Mopeds, selbst Fahrräder wird man hier nicht finden, nichts zu hören.

Ausser „Rooms, Rooms!„, vor Allem ältere Fräulein versuchen leer stehende Kemenaten an den Mann und seine Begleiterin zu bringen. Man kann sich ruhig in ihre Obhut begeben, so man nicht schon vorgebaut und -reserviert hat, was für die feinen Häuser unumgänglich ist. Dann verschwindet man erst mal einfach in der ersten Gasse links im Eck, oft weisen Hinweisschilder den Weg, sonst fragt man sich einfach durch, weit ist es in keinem Fall.

Ich hoffe, Sie schlafen gerne bei offenen Fenstern, dann wiegen sie das Gemurmel der fernen Passanten in den Schlaf, geweckt werden Sie vielleicht vom Klappern der Eselshufe auf dem Pflaster. Die duldsamen Tiere sind es, welche sämtliche Transportaufgaben hier erledigen, abgesehen von Kleinigkeiten wie etwa Ihrem Gepäck, welches auf hölzernen Karren durch die engen Gassen manövriert wird. Ausgeruht, wie Sie nach einer Nacht in anachronistischer Lautkulisse sein werden, sollten Sie sich gleich auf den Weg in den Hafen machen, und beim total entspannten Frühstück beobachten, wie das Dorf erwacht. Hier stört keine Hektik die Idylle, man nimmt sich Zeit für ein Pläuschchen, der Juwelier lässt den Rollladen auf halber Höhe warten, bis der Fischer ihm die letzten Neuigkeiten erzählt hat. Dann wärmen auch schon die ersten Strahlen der Sonne die letzten Nachtschwärmer, man versteht die Bedeutung der riesigen Sonnensegel, geniesst den frühen Morgen. Bis man durch ein ungewohntes Geräusch aus seinen Träumen gerissen wird.

Das Schiff ist da! Und sollte es sich um einen Ausflugsdampfer handeln, ist es nun höchste Zeit, das Weite zu suchen. Wobei: so weit geht´s gar nicht, muss auch nicht sein, die Touristen bleiben ja immer auf den scheinbar für sie vorbestimmten Pfaden. Man könnte also einfach vor auf´s westliche Kap spazieren, dort, hinter der Kanone, wartet die nächste Bar. Und davor eine ganz vorzügliche Bademöglichkeit, kein Strand, wo einem der Sand das Outfit bestäubt, sondern geglättete Felsen, von denen man waghalsig in die Fluten köpfeln und auf denen man sich anschliessend wieder trocken sonnen lassen kann. Ein paar Minuten wandernd weiter warten in Kamini kleine Tavernen, gestärkt kann man sich dann hinten herum in die Oberstadt von Hydra wagen. Dort haben die Reichen und Schönen sich häuslich eingerichtet, und das nicht erst seit Leonhard Cohen in den 1960er Jahren sein Anwesen erstand. Verständlich, wenn man den Ausblick von da oben in Betracht zieht, hinüber auf´s Festland, Poros, die Inseln des Saronischen Golfes. Auf welcher wollen Sie heute zu Abend speisen? Sie wissen ja, mit dem fliegenden Delphin ist es überall hin nur ein Katzensprung!

WOHNEN
Hotel Bratsera
Die ehemalige Schwammfabrik empfängt mit dem industriellem Charme des vorletzten Jahrhunderts, die Zimmer mit unaufdringlichem Luxus und raffinierten Design. Im grünen Innenhof erinnern gusseiserne Leitungen an dampfende Maschinen, der Pool erfrischt selbst im Hochsommer nachhaltig. Dafür kühlt er auch die Frühstücksterrasse, abends dient sie als Al Fresco Sitzgelegenheit dem feinen Restaurant und der wohlsortierten Bar. Geöffnet ab 1. April, Doppelzimmer ab € 100,-, ausser zu Ostern
www.bratserahotel.com

ESSEN
Kodylenia´s Taverna
Einer der raren Orte, an denen man beim Essen den Sonnenuntergang über dem Meer ungestört geniessen kann! Die Taverne thront nämlich abseits des Touristenstroms über dem Fischerhafen von Kaminia, Wirt Dimitri sucht sich dort allmorgendlich die schönsten Fische direkt von den heimgekehrten Kakis aus. Eine knappe viertel Stunde geht man zu Fuss aus der Stadt, Jet-Seter nehmen das Wassertaxi, reservieren kann in der Saisonnacht schaden, Dimitri Vlahodimitris, +30 697 2814078. Geöffnet März bis Oktober
www.hydra-kodylenia.gr

Sunset Restaurant & Hydroneta

Mit Panaiotis Papanicholaou hat dieses bestgelegene Restaurant der Stadt für die Saison 2017 einen der renommiertesten, innovativen Chef aus Mykonos abgeworben. Der Inselwechsel fiel ihm nicht schwer, stammt seine Familie doch von hier. Zum Teil jedenfalls, den Rest der Gene bringt er aus der ägyptischen Diaspora mit, wie auch jene Einflüsse, die seine Küche zu einem Streifzug durch die kulinarische Geschichte der Hellenen macht! +30 22980-52067

www.sunsethydra.com

HINKOMMEN
Sicher ist sicher, Tickets kann man auch vorbestellen, dann bleibt man nicht im Hafen stehen, wenn das Boot doch schon voll ist. Das Hafenbüro von Philips Tours ist rund um die Uhr besetzt, man spricht so ziemlich jede Sprache, findet für jedes Problem die beste Lösung, auch individuelle Rundreisen sind schnell zusammengestellt. Stamatis spricht Deutsch, +30 210 4133417, 3 Akti Tzelepi, Piräus
www.filippistours.gr

SPEZIALTIPP
Wer sich so früh im Jahr nicht gleich für ein paar Tage auf die Insel vertschüssen möchte, der kann die drei Inseln auch in Form einer Mini Kreuzfahrt besuchen, abgelegt wird von der Marina in Faliro, dort kommt man sogar mit der Tram hin!
www.onedaycruise.gr

Oder man lässt sich vom Hotel Shuttle bringen, das gibt es nämlich im Grecotel Cape Sounio. Gut so, denn man residiert direkt gegenüber de phantastischen Poseidon Tempels an der Südspitze Attikas, der einem zu dieser Jahreszeit ganz alleine gehört! Der Luxus beginnt bei 180,- Euro in der Sea View Villa.
www.capesounio.com

griechenland.pdf

http://www.onrail.at/fileadmin/ebook/onrail-2015-01/index.html

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Dieser Beitrag wurde am 2017/05/13 um 16:50 veröffentlicht. Er wurde unter athen, griechenland, inseln, saronischer golf abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „nimmer lang…

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