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#saliaborgo – erdgebebt, nicht erschüttert

Wenn Moto Guzzi und die Italienische Fremdenverkehrszentrale den Befehl „sali a borgo“ erteilen zögert unsereiner nicht lange. Komm´ rauf ins Dorf, wobei der Borgo natürlich meist einen dieser feinen kleinen Orte mit Mauer drumrum und engen Gässchen drin bezeichnet. Oben drauf vielleicht noch eine -eben- Burg, zumindest Zinnen und Türmchen sind stets schon von weitem zu sehen.

Herrlich! Wenn nicht gerade ein, auf der Appeninhalbinsel nicht ungewöhnliches, Erdbeben mal wieder Alles durcheinandergebracht hat. So wie letztes Jahr in Aquila, Amatrice und den zahlreichen kleinen Ablegern welche es nicht auf die Titelseiten der Katastrophenberichterstattung geschafft haben. Nicht nur bei uns, auch daheim in Italia konzentrieren sich alle auf die Hauptdarsteller, mit denen zeigen sich auch die Politiker aus Rom gerne, den kleineren Dörfern wird die Aufmerksamkeit nur spärlich zu Teil, wenn, nach ein paar Monaten andere Themen gefragt sind interessiert sich überhaupt niemand mehr für sie.

Wobei: gar niemand stimmt natürlich nicht, sonst wären wir ja nicht da! Ein paar Empathiker bei ENIT und Moto Guzzi – ja, solche gibt´s auch in der Corporate World – haben noch rasch vor dem Sommer die Initiative ergriffen und versucht die Aufmerksamkeit potentieller Gäste auf die „Regioni Terremotati“, die erdgebebeten (das Zeitwort existiert im Italienischen tatsächlich!) Regionen, zu lenken. Ist ja auch tatsächlich eine der feinsten Gegenden des von landschaftlicher Schönheit und kulturellen Highlights verwöhnten Landes, und die Küsten sind ohnehin schon ein Bisserl überlaufen.

Also rauf in die Berge, die schönsten Dörfer kann man sich schon mal auf der Seite von „I Borghi Piu Belli d´Italia“ aussuchen, die Abruzzen haben davon schon mal mehr als etwa die berühmte Toskana, Umbrien, die Marken und Latium stehen kaum nach. Dass der Weg dorthin durch die Abruzzen kurvig und teils steil ist mag vielleicht holländische Wohnwagenpiloten stören, hält aber auch so manch andere Pauschaltouristen ab, ein Argument mehr, hinzufahren. Zumal auf zwei Rädern, nicht nur dass es einfach vergnüglich ist, rasant über Berg und Tal zu zischen, auch die -zumindest semilegale- Zufahrtsmöglichkeit in die Borghi und fehlende Parkplatzproblematik beflügeln die Urlaubsfreude.

Offizieller Start unserer Rundfahrt war in Offida am Rande der Marken. Steil ragt ein Fels aus der fruchtbaren Ebene ringum, darauf tront Santa Maria della Rocca, wie ein Schiffsbug zeigt sie zum Meer, blickt hinüber zum Gran Sasso d´Italia, in einer halben Stunde könnte man da oder dort sein. Heutzutage jedenfalls, als im 7 Jahrhundert die Stadt von den Langobarden erstmals befestigt, zwei Jahrhunderte später, angeleitet von Bendiktiner Mönchen Stadtmauer und Rathaus errichtet oder im 13. Jahdt Papst Urbas IV Offida erstmals als Stadt bezeichnet hat wird´s wohl ein Bisserl mühsamer gewesen sein. Die 1926 errichtete Strassenbahn führte leider nicht bis an die Küste, dafür eine beschwingte Landstrasse durch Olivenhaine. Auf deren Früchte sind die Einwohner der Region Ascoli Piceno übrigens besonders stolz, haben ihr sogar eine geschützte Herkunftsbezeichnung angedeihen lassen, es sollen Fälschungen kursiert sein, nicht nur auf die Sorte, „ascolana tenera“ kommt es an, auch die köstliche fleischige Füllung unterliegt strengen Richtlinien.

Wie grotesk die Informationsverarbeitung selbst bei unmittelbaren nachbarn abläuft illustriert die Reaktion eines Freundes von Marco, unserem bärtigen Führer, aus Amatrice. Seine Heimatgemeinde kennt man aus den Schlagzeilen, arge Zerstörung, „was, nach Ascoli fahrt ihr? Poverini, alles kaputt dort!“ Nun, wir konnten uns überzeugen, dem ist ganz und gar nicht so! Beim köstlichen Apperetivo im Café Lorenz auf der Piazza del Popolo geniessen wir die Aussicht auf einen Platz, der nicht zu Unrecht von internationalen Reisezeitschriften zu einem der schönsten Italiens gekürt wurde. Am Besten, Sie versichern sich dessen selbst, hier mal ein Photo, noch besser wäre selbst hinzufahren!

#saliaborgo

Dieser Beitrag wurde am 2017/07/14 um 14:56 veröffentlicht. Er wurde unter abruzzo, italien, lazio, marken, umbria abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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