homolka_reist

bei den boomerangs

Wenn die Vintzenzos Kornaros* in der Morgendämmerung in Diakofti anlegt, hat man zwar über hundertzwanzig Seemeilen hinter sich gebracht, und geht dennoch, verwaltnungstechnisch, in Attika von Bord. Die Insel läge zwar geographisch dem Pelopones oder Kreta näher, doch seit die Athener Kithira anlässlich der Peloponesischen Kriege 424 v.u.Z. als Verbündeten „gewonnen“ hat gibt´s da eine Nahbeziehung. Zu lange her, meinen Sie? Nur für Nichtgriechen!

Historisch gesehen wäre es übrigens genau so gerechtfertigt gewesen, sich gleich den Kretern an den Hals zu werfen, den Spartanern oder Byzanz, auch Venezianer, Franzosen und Briten zählten das Eiland zeitweise zu ihren Besitztümern. Je nach Interesse und Talent haben die spirituelle, Verkehrs- oder Verteidigungsinfrastuktur hinterlassen, in Summe jedenfalls einen interessanten Mix. Kythira wurde schliesslich Gründungsmitglied der Ionischen Republik, gleichzeitig wurde auch endlich der Kanal von Korinth fertiggestellt, eine Abkürzung vom ionischen ins ägäische Meer. Als den Kithrioten auffiel, dass der Schiffsverkehr deshalb einen Bogen um ihren Hafen machte mussten sie sich nach alternativen Einkommensquellen umsehen, auf den Nachbarinseln war auch nicht viel zu holen, also schweifte man in die Ferne, schiffte sich nach Australien ein, seither auch Big Kithira genannt!

„Boomerangs“ nennt man die mittlerweile langsam eintröpfelnden Heimkehrer auf der Insel. Gesegnet mit einwandfreien Englischkenntnissen und einem finanziellen Polster kommen sie wieder, und nutzen beides,um das Auskommen ihrer Nachkommen auf der Heimatinsel sicher zu stellen und Besucher komfortable Unterkunft finden. Wobei, das mit dem Finden manchmal gar nicht so leicht ist. In der Nähe der Hauptstadt versteckt sich das Hotel Petrokali im beschaulichen Kalamos, die Gartengestaltung verweist auf die eigentliche Berufung des Hausherren. „Eigentlich bin ich am liebsten Bauer“, beteuert Kyrie Iannis, aber im Sommer sperrt er seine kleine Taverne am Weg zum Strand von Firi Amos inmitten seiner Reben auf. „Firi kommt übrigens vom Porphyr, der rötlichen Gesteinsart die dort an die Oberfläche tritt“ erklärt er das Besondere an seinem Strand, Amos heisst übrigens Sand, so weiss man also, was einen erwartet.

Vom Ortszentrum von Kalamos führen kleine Strassen durch ausgetrocknete Täler ausserdem zur einen oder anderen Höhle. Die der heiligen Sophia zugeeignete im Kloster der Panagha Orfani schmiegt sich als Einbaukirche in eine Nische im Fels, sie ist für den alljährlichen Gottesdienst ausgestattet, inclusive umfangreicher Verkabelung, ein Generator wird bei Bedarf einfach mitgebracht und angesteckt. Dann ist´s wohl auch recht lebhaft, aber den Rest des Jahres herrscht gespenstich-mythische Ruhe, nur die Fledermausflügel schwirren.

Natürlich gibt es auch eine Strasse raus aus der Natur, die bringt einen in wenigen Minuten nach Kapsali, die Sommer-Sonne-Strand-Siedlung zu Füssen der Burg von Kythira, entlang des Strandes drängen sich Tavernen, Bars und Cafés. Hier sind all jene bestens aufgehoben, die im Urlaub nicht nur Ruhe brauchen, sich vielleicht nicht zu viel bewegen, Frühstück-Strand-Essen-Party-Bett hat man hier auf engstem Raum. Es gibt aber nebenan noch eine zweite, Fischern und Ruhe Suchenden vorbehaltene Bucht, zu Zeiten der Venezianer brachte man geschwächt Angekommene hierher, das sogenannte Lazaretto legt Zeugnis davon ab. Heute richtet sich in der prachtvoll-schlichten Baracke ein gewisser Herr Eifel jeden Sommer häuslich ein, das Enkerl weiss interessante Architektur zu schätzen.

Architekt war auch der Urururopa von Iannis Da Ponte, der Name stammt von der Rialto Brücke. Sein Nachfahre, mit einem beeindruckenden venezianischen Profil gesegnet, führt in der Hochsaison eine Bar, ganz ohne Standesdünkel, sowas gibt´s hier nicht, „irgendwann hat wohl jeder Kythriote der die Gelegenheit dazu hatte in die venezianische Oberschicht eingeheiratet“ erklärt der junge Da Ponte beinahe entschuldigend. Man begrüsst im Sommer gerne Gäste, hat sich aber eine gewisse Bodenständigkeit bewahrt, und der Besucher kann am alltäglichen Leben der Insel teilhaben. In Potamos am Wochenmarkt nachschauen, was die Bauern geerntet haben, mit ihnen in der Ouzeria am Platz auf die guten Geschäfte anstossen, in Mylopotamos die namensgebenden Mühlen untersuchen. Entlang des kühlen Baches zum kleinen Museum hinunterwandern, ansehen wie einst das Getreide hier zu Mehl für den langen Winter verarbeitet wurde. Und sich danach, wie einst die Landwirte, während sie auf ihre Ausbeute warteten, in der Taverne unter der Platane mit Retsina und bodenständiger Küche stärken.

Wenn die Sonne nicht mehr zu hoch am Himmel steht darf man sich, wie die Frisbees, durchaus an den Strand wagen, irgendeinen wird man sicher finden, einfach einen der kleinen Wege in Richtung Sonnenuntergang probieren, unten wartet garantiert das Meer. Danach abgekühlt noch zur Volta, durch die engen Gassen der Altstadt oben oder entlang der Promenade unten am Wasser spazieren, sehen und gesehen werden, schliesslich in einer Taverne ein Platzerl finden. Das alles gehört zum gepflegten Urlaub einfach dazu, die Griechen machen´s auch nicht anders. Und eines muss man ihnen lassen: sie verstehen zu leben!

TIPPS
Anreise
Wer sich die langwierige Anreise per Fähre ersparen will fliegt -wieder- mit Olympic. Und zwar im Sommer 6 mal die Woche von Athen, dazu mit Aegean in einer Buchung ab Wien, in 5 Stunden ist man dort! www.aegeanair.com

* ob die Vincenzos Kornaros noch verkehrt bzw. wo sie sich gerade befindet sehen sie hier!

Wohnen
Vom Hotel Nostos sieht man nicht nur prächtig auf die Bucht, man wohnt auch noch mitten in der Altstadt! Und das Frühstück gibt´s im romantischen Café im Erdgeschoss.
www.nostos-kythera.gr

Essen
Feinen Fisch gibt´s bei `Kaleris´ in Agia Marina und `Sotiris´ in Palaiopoli, wenn´s unten an der Küste heiss her geht flüchtet man am Besten unter die Platane im `Platanos´ bei den Mühlen oben in Mylopotamos.

INFO

kithira_SN_28.4.18.pdf

Dieser Beitrag wurde am 2018/04/30 um 12:42 veröffentlicht und ist unter griechenland, inseln, ionische, kithira abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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