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SÜDTIROL MASERATI PUSTERGADERGRÖDNER TAL AAM0708©homolka

SIIDTIROL MASERATI GREEDNER JOCH ©homolka

Was macht man wohl, wenn der Herbst sich von der schönsten Seite zeigt der Kallender zufällig übers lange Wochenende hinaus die eigene Entbehrlichkeit beweist, darüber hinaus auch noch ein italienisches Kraftfahrzeug nach Auslauf lechzt? Ein kurzer Blick in den Weinkeller macht die Entscheidung leicht, Nachschub muss her, insbesonders was frische Weisse anlangt, welche zur vom Goldstück gerade bevorzugten Thaiküche passen wären gefragt. Da hat sich neulich ein Traminer bewährt, womit das Reiseziel auch schon gefunden wäre, eine kürzlich nach Meran gesiedelte Bekannte als Auskunftsperson gibt erste sachdienliche Hinweise.

„Foarsch als erschtes zum Koarl ins Schöneck“ trägt sie mir auf, liegt quasi am Weg, prachtvoll über dem Pustertal gelegen und haubendekoriert dürfte ich mir den Abstecher von Bruneck hinauf nicht nehmen lassen. Soll mir recht sein, auf der Autobahn ist ein Maserati ohnehin schwer unterfordert, auch wenn so ein Levante vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt nach Kurvenräuber aussieht. Schliesslich spielt er in der immer noch ausgesprochen beliebten Klasse der sportlichen SUV mit, was heisst mit, erste Geige muss es wohl heissen. Schliesslich ist er der rassige Italienern unter diesen Alleskönnern, weshalb auch nur der Benziner in Frage kommt, aus Vernunftgründen möge man Bahn fahren, ein Auto muss Spass machen! Dazu gehört auch der erotische Sound, alles klar also, Semmering Schnellstraße bis zum Österreichring und dann immer weiter der Mur entlang durch die Berge, Murau, Tamsweg, rüber ins Drautal, die paar hundert Kilometer sind bei dieser Route das reinste Vergnügen.

Und erst recht die „Zwischenmahlzeit“ beim Karl im Schöneck! Der weiss genau, was für tolle Produkte Südtirol zu bieten hat, feinste Ferkel etwa, „kannst ma kurz den Wagen borgen, muss schnö a kloans Schweindl hol´n“, oder Saiblinge aus dem Bergbach. Deren Filets räuchert er über aromatischen Hölzern, setzt sie auf ein raffiniertes Wasabiyoghurt, eine hauchdünne Brotscheibe sowie die süss-scharfe Kressenblüte aus dem Zaubergarten der Chefin Mary ergeben ein atemberaubendes Gericht. Dann kommt noch Bruder Siegi, Sommellier und Maitre d´hotel, empfielt einen Sauvignon und man erklimmt den Gipfel der Genüsse. Warum die Südtiroler Küche so ausgezeichnet sei, frage ich mich, Karls Antwort klingt überzeugend: nach hundert gemeinsamen Jahren mit den Italienern sei halt deren gastronomische Meisterschaft auch hier oben in den Bergen eingezogen, Vielfalt und Offenheit bringen den Menschen nun mal weiter. Deshalb holt er sich auch stets japanische Köche ins Haus, „wie die mit dem Messer umgehen beeindruckt mich, da kömma noch was lernen!“

In Sachen Wein hat er mich an Doris Moser verwiesen, Südtirols erste Sommeliere, drüben in Meran, „die kennt sich aus wie niemand sons! Und ein kleines feines Hotel mit künstlerischem Esprit hat sie auch noch.“ Gesagt, getan, allerdings will zuvor noch der Levante von der Leine gelassen werden. Gelegnheit dazu bietet das Grödner Joch, kurviger Bubentraum durch das Land der Ladiner, einem kleinen Bergvolk von knapp 30.000 Menschen welches sich mittels seiner unverständlichen Sprache erfolgreich allen Versuchen der Asimilation entgegengestellt hat. Andrerseits empfängt man Gäste natürlich mit offenen Armen wovon zahllose Seilbahnen, Sessellifte, Hotels und Berghütten rechts und links an den Berghängen zeugen. Zwischendurch schlängelt sich die Fahrbahn auf der hochmotivierte Motorradfahrer deutschen Ehepaaren im Spätherbst ihres Lebens am Steuer teurer Cabrios begegnen – spannend!

SÜDTIROL MASERATI PUSTERGADERGRÖDNER TAL AAM0511©homolka

SIIDTIROL MASERATI LEVANTE GAADER TOL NEGERHITTN©homolka

Kaum, dass man drüben im Westen das Tal des Eisack erreicht hat stechen einem die Weinberge ins Auge, die sich an jedem Hang, der nichtgerade nach Norden blickt, weit hinauf ziehen. Noch raumgreifender präsentieren sich die Reben sobald man ins Etschtal einbiegt, dort ist auch mehr Platz, den sich der Wein allerdings mit Apfelhainen teilen muss, aber nur ganz unten, wo´s flach ist. Doch sonst ziehen sich die feinsäuberlich linierten Lagen durch´s Land, die sanft abfallenden Schultern hinauf, dann steiler, bis schliesslich des Winzers Fuss keinen Halt mehr fände, hoch bis zur Baumgrenze. Und mittendrin immer wieder Ansitze, Herrenshäuser und Burgen, jene namnes Tyrol etwa, die über das gleichnamige Dorf und Meran gleich darunter wacht. Der ist ihre Vergangenheit als kaiserlich-königliche Kurstadt deutlich anzusehen, selbst im coolen Monocle Store, dem einzigen im deutschen Sprachraum, zählen Wiener Traditionsprodukte wie Lederwaren von Robert Horn oder Kosmetika von Lederhaas aus Wien zu den Rennern.

„Man hängt hier schon auch ein Bisserl an der guten alten Zeit“, erklärt Doris Moser fast entschuldigend, „andrerseits sind die Menschen hier für Neues offen, vor Allem die Winzer!“ Auch die Architekten, wie mir scheint, das „Weisse Rössl“ ist ein schönes Beispiel für diese Bipolarität. Einerseits das letzte der sogenannten Laubenhäuser, die seit dem 13. Jahrhundert die Meraner Altstadt prägen und mit ihren Bogengängen zum Shoppingparadies machen, welches in seinem Inneren noch nicht völlig modernisiert wurde, andrerseits dank des bis unter den riesigen Dachstuhl völlig geöffneten Innenraums ein Beispiel für radikale Architektur.

Zum Essen empfiehlt sich dann aber doch eher die „Miil“ vulgo Mühle am plätschernden Bach von Tscherms. Die hat Ottmar Raich vom Grafen Pfeil gepachtet, dazu ein Stück Land, auf dem er neben den Reben ein Labyrinth gepflanzt und überraschende Kunst installiert hat, auch den von ihm selbst entworfenen Zubau zum uralten Gemäuer sowie seine Küche zeichnen solide Kreativität aus.

Auch das Gasthaus Leiter am Waal der Familie Bauer ist nicht von schlechten Eltern, der herrliche Ausblick über die Weinberge rund um Meran eine herrliche Beilage. Auch die kleine geerbte Lage von Doris sieht man von hier, und ihr Maratscher Hotel, bescheiden von aussen, voller Kunst und interessanter Bücher innen. Nicht nur in die zeitgenössische Architektur kann man sich hier einlesen, vor Allem Küche und Keller sind die Tatorte von Doris´ Aktivitäten.

„Der Karl hat mich angerufen, dein Sauvignon ist von der Genossenschaft Nals Margreid, die haben übrigens gerade den italienischen Weinoskar gewonnen. Ist nicht weit, und wenn du schon Richtung Kalterer See fährst solltest du unbedingt beim Grafen in Manincor vorbeischauen!“ Jawoll, Gnädige Frau, wird gemacht, doch erst noch eine Frage: was sind denn das für Häuser, da oben, die ich immer beim Frühstück auf der Terasse sehe?

Hafling, logisch! Dort muss ich ohnedies vorbeischauen, mein Patenkind ist schlisslich Spross eines Züchters dieser ausdauernden Pferde. Warum die Haflinger so geländegängig sind erschliesst sich bei der Anreise, der Maserati liebt die steile Strasse auch, ich nicht weniger, drücke den Knopf mit der Aufschrift „Sport“, der Ton wird kernig, Beschleunigung und Kurvenkräfte beeindruckend. Als Ziel wurde mir das Miramonti nahegelegt, „liabe Griasse an Carmen, Klaus und den kloan Buam“, bei meiner Ankunft weiss ich auch sofort warum.

Die Aussicht ist wahrlich atemberaubend, selbst beim Blick aus dem Pool sollte man schwindelfrei sein. Den beiden steckt die Gastgeberei im Blut, gemeinsam haben sie einst hier angestellt gearbeitet, schlisslich ihren Traum verwirklicht, das Miramonti gekauft und umgebaut. Aber nicht irgendwie, nein, höchste Ansprüche haben sie an Architekten und Handwerker gestellt, hat sich ausgezahlt. Selbst James Bond würde da Augen machen, erst recht wenn er feststellte, dass die schönste Suite die Nummer 007 trägt.

Der hätte auch bei Manicor seine Freude, unter dem historischen Herrenhaus führt eine Tür aus dem alten in den neuen Keller. Michael Goëss-Enzenberg hat, nachdem die Familie 1978 das Gut nach Jahrhunderten wieder zurückgekauft und er seine Ausbildung in der Forschungsanstalt für Weinbau Geisenheim abgeschlossen hatte die Zügel in die Hand genommen. Und die Schaufel, ein Keller wurde unter den Weinberg gegraben und nach den neuesten Erkenntnissen ausgestattet, nun wird biologisch-dynamisch gewirtschaftet, und natürlich nachhaltig im besten Wortsinn. Dank des eigenen Forstes sind auch die Fässer, in denen der Wein schon gären darf, aus lokalem Holz geschnitzt, der überwiegende Rest wird via Hackschnitzel in Energie umgewandelt. Und treibt so auch den Fuhrpark der Goëss an, des Grafen Tesla trübt so kein Lüftchen, nichts desto Trotz mustert er den Maserati wohlwollend, ästhetisch dürfte er ihm doch ins Konzept passen.

Was man vom Traminer nicht sagen kann, „ich bevorzuge Weine, von denen man eine Flasche leeren kann, während man ein interssante Gespräch führt, dazu ist mir der Traminer zu dominant!“ Na gut, dann schau ich doch noch weiter nach Nals, allerdings nicht ohne ein paar Kostproben von der Réserve del Conte einzuladen, einen besseren Roten werde ich in der Gegend finden. Jene von der Kellerei Nals Margreid sind zwar eindeutig auch nicht schlecht, bester Roter Italiens ist bei der Konkurrenz schlisslich Beweis genug, doch meine Mission ist einen fruchtigen Weissen mit dezenter Mineralik und ausgeprägtem Aroma zu finden. Was leichter klingt als es ist, nicht, dass diese Weine in Südtirol schwer zu finden wären, aux contraire, s ist die Qual der Wahl, die mich in Nals erwartet.

Die 138 Weinbauer, welche die 1932 gegründete Genossenschaft beliefern und ihren neuen Keller befüllen leisten ganze Arbeit, sieben Sorten und 15 Etiketten stehen allein beim Weissen zur Auswahl, ich verstaue schliesslich und endlich Auftragsgemäss ein paar Kartons Mantele Sauvignon und Lyra Gewürztraminer. Mission accomplished, könnte man meinen, wären da nicht noch die 564 Kilometer Heimweg. Siebeneinhalb Stunden sagt das Navi, nie und nimmer der Maserati. Wie lange es wirklich gedauert hat bleibt unser Geheimnis, daß die nächtliche Fahr in Richtung und im Levante das reinste Vergnügen war darf ich hier ausdrücklich betonen!

Dieser Beitrag wurde am 2018/11/16 um 08:17 veröffentlicht. Er wurde unter alto adige südtirol, italien abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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