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ägäisches fundstück

Dass Samos schön ist weiß man ja, gleich daneben gibt´s auf Leros aber noch viel zu entdecken!

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da konnte man griechische Freunde mit der Ankündigung in den Sommerferien nach Leros reisen zu wollen noch schockieren. „Eisai kala, geht´s noch, ausgerechnet Leros?“ Die Insel hatte nicht den besten Ruf, erst Verbannungsort für Kommunisten unter der Militärdiktatur, später vom König als idealer Ort für eine Psychiatrische Klinik erwählt, schwer zu sagen, was schlimmer war. Einen Vorteil hat sich die von Mussolini zum Malta der Ägäis geadelte Insel allerdings so erhalten, selbst in der Hochsaison bleibt man dort vom touristischen Trubel verschont und genießt authentisches griechisches Inselflair und genuine Gastfreundschaft.

Mein letzter Besuch, den die Freunde so konsterniert kommentierte, liegt schon weit über zehn Jahre zurück, die Anreise erfolgte umständlich mittels mehrerer Fähren, immerhin befand sich unter den Bekannten eine junge Frau, die erstens wusste wie man hinkam, zweitens Leros wärmstens empfahl und drittens auch gleich ihr Haus zwecks Nächtigung empfahl. Mittlerweile ist die Anreise keine Hexerei mehr, seit Aegean Air die gute alte Olympic als Inlandscarrier auf Vordermann gebracht hat kommt man anstandslos innert eines Tages hin, wenn man den richtigen erwischt, oder halt nach Samos, von wo man mit dem Katamaran der Dodekanisos Seaways rasch nach Leros kommt, die kleinen Inseln von denen man auf der Reise immerhin die Anlegestellen sieht dürfen gleich in die Planung für den nächsten Urlaub einfließen. Dort, wo nur eine Hand voll Passagieren aussteigt muss es ja deswegen nicht langweilig sein.

Ist es auf Samos natürlich schon gar nicht, wir haben diesmal einen kurzen Höflichkeitsbesuch in der weltberühmten Winzergenossenschaft mit einem Besuch bei Kyria Klyronomos, die, außer im Winter, wo sie töpfert, in ihrer Taverne Panorama unvergleichlich aufkocht. Unter anderem eine luftige, ägäische Version von Bauernkrapfen die ihresgleichen sucht, gravierenderen Hunger bekämpft sie mit einer raffiniert gefüllten Ziegenschulter. Genießen darf man das Alles auf einer Terrasse mit Blick auf die letzte stehende Säule des Hera Tempels und das Hafenstädtchen Pythagorion. Von dort fährt anderntags das Schiff zu den nahen Inseln ab, ob Sporaden und Dodekanisia ist schwer zu sagen, drum gehören sie alle bis auf Samos zur Verwaltungseinheit der Südägäischen Inseln. Was uns deren Präfekt erzählt, der, wie jeden Tag, vom Büro in Kalymnos heim nach Leros fährt, „natürlich mit dem Schiff! Herrlich, oder? Jedenfalls schöner als mit der U-Bahn ins Büro zu fahren!“

Dem ist nicht zu widersprechen, spätestens wenn man um die majestätisch auf dem von neckischen Windmühlen geschmückten Burgberg über dem, nein: den, Hauptorten thronende Festung in den Hafen von Aghia Marina einläuft versteht man des Duce Begeisterung. Tiefeingeschnitten bietet die Bucht einen sicheren Hafen, die anschließende Ebene grünt fruchtbar. Und die zahlreichen Jahrhundertwende Villen deuten auf Wohlstand hin. Der hat seinen Höhepunkt zwar schon lange hinter sich, die alte Pracht ist aber noch spürbar.

In einem der nicht zufällig an das Wiener Cottage erinnernden Häuser lädt mittlerweile das „Archontiko Angelou“ zum Verweilen. Schon Marianna Angelous Vater hat hier Zimmer vermietet, das Haus konnte der Opa 1895 problemlos von einem renommierten europäischen Architekten errichten lassen, er war nur einer der vielen Lerioten der es als Händler zu Wohlstand gebracht hatte, Ägyptische Baumwolle und Tabak konnten gewinnbringend im Westen an den Mann gebracht werden, ein standesgemäßer Sommersitz war da selbstverständlich.

„Aber so wie jetzt hat das Haus damals nicht ausgesehen“ klärt Marianna auf, „da habe ich viel Zeit hinein gesteckt!“ Merkt man, wenn auch erst bei genauerem Hinsehen, vordergründig scheint die Zeit im goldenen Zeitalter Leros´ stehen geblieben zu sein. Auch den üppigen Garten hat sie neu angelegt und interpretiert, „ich selbst ernähre mich vegetarisch, versuche so viel Obst und Gemüse wie möglich selbst zu ziehen.“ Dementsprechend frisch und gesund fällt dann auch das Frühstück im Schatten der alten Bäume aus.

Wonach man sich gerne zu Fuß auf den Weg macht, entweder an einen der nahen Strände am Ende der Uferstraße, die deshalb auch im August nicht überlaufen sind, oder in die andere Richtung zum nächsten herrschaftlichen Sommerhaus, dem Bellenis Turm. Herr Bellenis hat als Bauunternehmer in Ägypten sein Vermögen gemacht und zu Hause ein eklektizistisches Heim errichten lassen. Heute beherbergt es ein Heimatmuseum, der Kurator, Guide und Wächter in Personalunion gewährt beredt Einblick in jeden Aspekt der Inselgeschichte.

Natürlich auch in die Zeit der italienischen Verwaltung, nicht umsonst hat der Duce Leros mit Malta verglichen, wohl der zahlreichen Buchten wegen, in jener von Porto Lago lag seine Marine sicher vor Anker. Und weil man sich hier häuslich einrichten wollte baute man auch gleich eine ganze Stadt im Stile des Razionalismo, im heutigen Lakki fühlt man sich ein Bisschen wie in Roms Cinecittá auch wenn die Renovierungsarbeiten nicht immer so geschmackvoll und weit gediehen sind wie jene im Archontiko Angelou. Am Rückweg wird man wohl noch an einem der zahllosen Strände und, vor Allem, in einem der besten Tavernen der Ägäis Halt machen.

Die Taverna Mylos in Aghia Marina liegt nicht nur prachtvoll neben einer Windmühle im seichten Wasser, die Gebrüder Koutsounaris schaffen es darüber hinaus Griechische Küche von internationalem Rang mit ebensolchen Weinen und dem entsprechenden Service perfekt zu kombinieren. Nur gut, dass sich das noch nicht wirklich bis zu den reichen Athenern durchgesprochen haben, bis dahin sollten wir deren Vorurteile und unseren Informationsvorsprung nutzen!

www.leros.gr
www.visitgreece.gr
www.aegeanair.com
www.aegeangastronomy.com
www.hotel-angelou-leros.com
www.mylosexperience.gr

Dieser Beitrag wurde am 2019/06/03 um 11:28 veröffentlicht. Er wurde unter ägäis, griechenland, inseln, SALZBURGER NACHRICHTEN abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „ägäisches fundstück

  1. Pingback: ägäisches fundstück | homolka_reist

  2. Martin Lenzinger sagte am :

    So ist es. Herrlich auf den Punkt gebracht. 🇬🇷 👍

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