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eloundas andere seite

Während sich im östlichen Teil der Bucht von Elounda die Luxusresorts den Platz an der Sonne teilen, gibt sich der hinter der Insel Spinalonga geschützt liegende Westteil wesentlich volksnaher. Die eindeutige Trennlinie bildet dabei ein Damm, über den man die seichte Lagune trockenen Fusses überschreiten kann, eine kleine Steinbrücke überwindet auf halber Strecke einen süssen kleinen Kanal, der zwar venezianisch aussieht, aber im 18. Jahrhundert von Franzosen errichtet wurde.
Selbstverständlich haben die Venezianer den perfekten Hafen in der geschützten Bucht von Elounda zu schätzen gewusst und zu ihren gemacht, nachdem die Byzantinier von den Arabischen Überfällen entnervt das weite gesucht haben. Und ihn auch bis 1715 nicht wieder hergegeben, obwohl da schon die Osmanen Kreta ihrem Einflussbereich unterworfen hatten, doch die gefinkelten Festungsbauer der Serenissima hatten die kleine Insel mitten in der einzigen, schmalen Einfahrt der Bucht zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Immer noch beeindruckt Spinalonga, wie das kleine Eiland -wie übrigens auch die anschliessende Halbinsel, was aber kaum jemand zu interessieren scheint, offiziell hört die kleine auf den Namen Kalidon- heisst, die furchteinflössenden Mörserstellungen sind zwar spurlos verschwunden, doch die zahlreichen Besucher besichtigen die Reste der einstigen Bebauung noch immer mit einem gewissen beklemmenden Gefühl. Dieses rührt allerdings von der späteren Nutzung der Insel als Leprakolonie her, angeblich weil 1903 nach Ausrufung der kretischen Republik die letzten Türken sich auf Spinalonga Zuflucht gefunden hatten und die Insel nicht verlassen wollte. Also verlegte man kurzerhand sämtliche Leprapienten dorthin um ihnen einen gehörigen Schrecken einzujagen, das hat offensichtlich blendend funktioniert, Türken waren dann keine mehr dort, die bemittleidenswerten Patienten hielt man bis 1957 dort versammelt.

Nach der Ausstrahlung einer TV-Serie im griechischen Mega-Kanal namens `To Nisi´, basierend auf dem Bestseller `The Island´ von Victoria Hislop begann die griechische Öffentlichkeit sich für die tragischen Schicksale der vielen Familien zu interessieren, deren Angehörige hier zur Verwahrung gelandet waren und die, wie viele `peinliche´ Verwandte totgeschwiegen worden waren. In einem der Tavernen und Cafés auf der mittlerweile durchaus einladenden Promenade des gegenüberliegenden Örtchens Plaka sitzend kann man schmerzhaft die Gefühle der Besucher nachempfinden, die es wagten, von dort ein kleines Kaiki zu nehmen um ihre Lieben zu besuchen. 1950 wurde endlich eine medikamentöse Therapie für die Krankheit gefunden, die Kolonie 1957 endgültig aufgelöst, und ab 1970 die Insel dem Tourismus geöffnet.
Die gut geschützte Bucht verfügt zwar nicht über den Jet-Set-Appeal der offenen südöstlichen Bucht jenseits des Dammes, dafür aber über konstantere Wassertemperaturen auch in der Vor- und Nachsaison, zudem bietet sich als windgeschütztes Wasserskirevier geradezu an. Ganz in der Nähe von Elound hat deswegen Petros seinen Stützpunkt aufgeschlagen, vor neunzehn Jahren hat er Job und Anzug in Athen zurückgelassen, weil ihm das ewige warten auf den Urlaub zu langweilig geworden war und er sich in die traumhafte Gegend verschaut hatte, wir kennen dieses Phänomen ja schon von Herrn Kokotas. Entspannt sitzt er nun in der blauen Stunde im Ipanema, einem Beach Club der so auch an der Cote d´Azur oder der Costa Smeralda zu finden sein könnte. Allerdings lässt man´s hier wesentlich entspannter angehen, vordergründiges Posieren ist nicht das Spiel der Griechen, der Kreter schon gar nicht. Und auch, dass eigentlich schon Sperrstunde und die Espressomaschine gereinigt und abgeschaltet ist wird nicht als Ausrede benutzt, dem späten Gast keinen heissen Café zu offereieren. Danke noch mal für den hervorragenden Cappuccino!

Gegenüber, drüben auf -der grossen!- Insel Spinalonga stechen ein paar dezente Gebäude ins Auge, die im strahlenden sonnenuntergangsgelb deutlich aus der üppigen Vegatation herausstechen. Es sind die `Elounda Villas´, die Lida Alexopoulos mit ihrer Schwester soeben frisch gekalkt und für die Sommersaison auf Vordermann gebarcht hat. Die Häuser sind die einzigen in diesem Naturschutzgebiet, eine alte Baugenhmigung hat´s möglich gemacht, die Energie kommt von der Sonne und auch sonst versuchen die Alexopoulos´ der Natur nicht reinzupfuschen. Im Gegenzug für den Respekt vor der Umwelt bekommt der Gast in einer der 10 kleinen Häuschen Uralub in absoluter Ruhe geboten, direkt am naturbelassenen Strand inmitten eines Vogelparadieses.
Entdeckt haben den idyllischen Flecken Lidas Eltern, die sich 1970 -wie könnte es ander sein- auf den ersten Blick in den Ort verliebt, und den berühmten Architekten Giorgos Theodosopoulos mit dem Entwurf für ihr Traumhaus beauftragt haben, der ohnedies gerade mit dem Bau von Luxusherbergen in der Umgebung beschäftigt war.
Praktisch auch, dass es von den Villas nur ein Katzensprung zur Canal Bar ist, früher war das mal ein gefürchtetes schwarzes Loch, in welchem schon mal der eine oder andere Tag bei einem anregenden Getränk verschwinden konnte, mittlerweile ist es eine seriöse Taverne, immer noch romantisch aber zum Drink serviert man nun hervorragende Speisen. Durch die Zeit reisen kann man von hier immer noch gut, hinter dem schmalen Kanal sieht man noch die kleinen Mäuerchen, welche die flachen Salzgewinnungsbecken der Venezianer umgaben, und Fundamente der minoischen Metropole Olous. Denn bis zur Explosion des Vulkans von Thira vor dreieinhalb Jahrtausenden befand sich hier keine Bucht, sondern eine weite, fruchtbare Ebene, und eine weitläufige Stadt. Morgen werde ich mit Petros eine kleine Sightseeingtour machen, von Boot sieht man bei glatter Wasseroberfläche die Pflastersteine der Hauptstrasse, und mit Schnorchel und Maske noch viel mehr. Die Minoer sind wohl als erste hier angekommen, vielleich wollten sie ja gar nicht bleiben, aber wahrscheinlich haben sie sich auch nur einfach in die Schönheit der Gegend verschaut.

Dieser Beitrag wurde am 2013/05/25 um 15:31 veröffentlicht. Er wurde unter elounda, griechenland, kreta, Uncategorized abgelegt und ist mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „eloundas andere seite

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