homolka_reist

sisis seife korfu

„Wir sind die Letzten, die Seife noch so herstellen, wie es sich gehört“, erklärt Apostolos Patounis stolz, während er in seinem kleinen Labor griechischen Kaffee braut. Seit fünf Generationen existiert die Firma, seine ist die Vierte, welche im archaischen Fabriksgebäude am Rande der Altstadt von Korfu die Bottiche anheizt. „Bei mir kommen nur vier Zutaten hinein, und da ist das Wasser schon mitgezählt! Öl, natürlich kalt gepresst, Soda, und Meersalz, alles aus heimischer Produktion.“ Ein Konkurrent fällt ihm schliesslich doch noch ein, in Aleppo, aber dort würden sie noch Lavendelextrakt zusetzen, unvorstellbar für Apostolos. „Seife dient der Sauberkeit, der Geruch ist etwas individuelles, den sollte sich jeder selbst aussuchen können!“ Penibel misst er mit den drei kleinen Tässchen die nötige Wassermenge ab, um sie auf einem Bunsenbrenner mit dem fein gemahlenem Kaffeepulver aufzukochen. Währenddessen saugt seine Ehefrau, welche, wie unscher zu erkennen ist, in kürze ihr drittes Kind erwartet, aus einer Plastikflasche Wasser in Pipetten. „Das ist Brunnenwasser, wir können auch Wein analysieren, haben das früher auch für die Weinbauern der Insel gemacht, aber jetzt verwenden wir das Labor eigentlich nur mehr, um manchen oberschlauen Olivenbauern das Handwerk zu legen, die uns zweite Qualität unterjubeln wollen“. Er deutet auf seine Frau,und meint: „ sie ist die Physikerin, aber mit drei kleinen hat sie genug zu tun. Heute machen wir eine Ausnahme für Lady Marjorie.“ Die elegante Dame ist die Tochter eines chinesischen Bankiers und einer Englischen Aristokratin und Witwe des letzten Verwaltungsdirektors von Hongkong. Dieser war auch Ritter des Ordens von St. George und St. Michael, welcher seinen Sitz in der ehemaligen Residenz des britischen Hochkommisars oben auf dem alten Exerzierplatz zwischen Festung und „Spianada“ hat. Hier haben übrigens nicht nur die Briten ihre prächtigen Spuren hinterlassen, sondern so ziemlich jede Weltmacht der letzten Jahrhunderte, nur die Osmanen haben sich nie lang genug auf der Insel gehalten, da haben die Venezianer schon aufgepasst. Nicht einmal ein Joint Venture mit dem Zarenreich hat ihnen geholfen, im Gegenteil, dieses hat, nachdem die Franzosen im Zuge ihres kurzen Interregnums die Korfyoten mit revolutioären Ideen angesteckt hatten, zur Bildung des ersten unabhängigen griechischen Staates geführt, den Vereinigten Staaten der Ionischen Inseln. Als Erbe durften die nun endlich freien Korfyoten eine einzigartige Stadt behalten, was auch die UNESCO so sieht, und das gesamte Altstadtensemble als erhaltenswert erkannt und unter seinen Schutz gestellt hat.

Lady Marjorie verabschiedet sich, nicht ohne mich vorher an eine Freundin weiter zu empfehlen, welche ein „lovely little cottage“ namens Casa Lucia unterhält, wo es sich vortrefflich wohnen lassen soll. Apstolos hat ein Rendevous mit einem alten Freund, der zufällig in der Präfektur arbeitet, im Estiatorio Rouvas gleich nebenan, lobt die Küche dort und die Ortskenntnisse seines Freundes, und ich habe Hunger, nicht nur nach Informationen. Spiros Thimis versorgt mich mit reichlich Tipps, „du musst nach Nordosten, dort ist das Meer am schönsten, oder ins Landesinnere, da findest du reichlich ursprüngliche Dörfer“, und seiner Visitkarte, „falls du irgend Etwas benötigst, du kannst mich jederzeit erreichen“. Nun, ausser in den nächsten drei Stunden, nach dem Mittagessen wird erst mal geruht.
Also raus aus der Stadt, über die Serpentinen hinauf auf den Pantokrator, den höchsten Berg, leicht zu finden dank des Sendemastes, der in einem Kloster steht, den Ausblick auf die gesamte Insel und das gegenüberliegende schroffe Bergland von Epirus und Albanien einsaugen. Der Weg hinunter an die Nordküste erweist sich als anspruchsvolle Piste für Downhill-Radler, wird auch als solcher genutzt, und führt mich nach Paleia Perithia. Das alte Perithia ist noch viel urtümlicher als Spiros wohl gemeint haben dürfte, wurde offensichtlich irgendwann verlassen, einige der Steingehöfte wurden in den letzten Jahren wieder neu gedeckt und dienen nun als Tavernen. Die Tatsache, dass die Gäste fast ausschliesslich griechisch sprechen, darf als Beweis gewertet werden, dass hier keine touristisch verfremdete Küche zu finden ist.

Kassiopi ist im Gegensatz dazu sehr wohl touristisch, hier treffe ich auch Eleni Sarakinou, welche sich um die Vermietung von Villen kümmert, und mir das ganz n gar nicht verfallene Haus eines wiener Freundes zeigen will. „Die Gegend hier verändert sich rasant, der Massentourismus geht deutlich zurück, Tui hat früher fünftausend Betten gebucht, heuer werden es nur fünfhundert sein!“ Dafür kann sie über Nachfrage nach ihren exclusiven Villen nicht klagen, selbst die Villa Scheria, benannt nach dem homerschen Namen für Korfu, ist gut gebucht, „dabei gehört die sicher nicht zu den billigsten, dafür bietet sie reichlich Platz und eine traumhafte Aussicht selbst aus dem Pool!“ Und am Abend kann man hinunter spazieren nach Kouloura in die kleine Taverne, der einzigen, wo man vor Musikberieselung sicher ist, wie der Wirt stolz vermerkt. Das alte venezianische Anwesen befindet sich nämlich im Besitz einer italienischen Industriellenfamilie, „Autofabriken besitzen sie, aber wir sollen ihren Namen nicht Preis geben“. Anonymität a la Grecque….

Ihre Ruhe wollte wohl auch Sisi selig auf der Insel finden, heut´ zu Tage stünden ihre Chancen schlecht! Das Achilleion zählt zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers, das Gebäude selbst wird von vielen Einheimischen als Vorbild für die Villen der Neureichen Athener angesehen, aber sollten Sie Eltern einer romantisch veranlagten Tochter sein, werden Sie wohl nicht drum rum kommen. Aber da Sisi in der Phantasiewelt junger Damen, meines Erachtens, durchaus mit Lady Di verglichen werden kann, darf ich Ihnen ein lohnendes Ersatzprogramm ans Herz legen. Der böse Schwiegervater, der Duke of Edinborough, erblickte nämlich im Juni des Jahres 1921 als Phillipos von Griechenland und Dänemark auf ebendieser Insel das Licht der Welt. Und zwar auf Mon Repos, erbaut als Sommerresidenz des Gouverneurs der Insel, später dem Griechischen Königshaus übergeben, und 1994 schliesslich dem wieder zu Herrn Glücksburg reduziertem Ex-König Konstantin ab- und dem griechischen Staat zugesprochen. Die klassizistische Villa liegt in einem üppig grünen Park, der fast das gesamte Gelände der Paläopolis mit seinen Ausgrabungen umfasst, auf der Halbinsel Kanonia, dem Standort der antiken Hauptstadt der Phäaken. Prinzen werden hier keine mehr geboren, dafür kann man im nun im Hause untergebrachten Museum die Geschichte der Insel kennen lernen, und im Garten wandelnd die Tempel der Hera und Apolls bewundern. Und wenn sich das Töchterl fadisiert, darf es im Prinzessinenzimmer warten, das Erdgeschoss wurde originalgetreu wiederhergestellt, mit Blick auf´s Meer lässt sich´s trefflich von alten Zeiten träumen…

www.corfu-tourism.com

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Dieser Beitrag wurde am 2014/04/22 um 11:38 veröffentlicht. Er wurde unter griechenland, inseln, ionische, korfu abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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