homolka_reist

PRIVATE SELECTION – ATHEN HOTEL ORION

Diesmal geht es um nicht mehr oder weniger als das beste Hotel Athens. Klar, das ist eine sehr relative Angelegenheit, Jeder hat da seine persönlichen Praeferenzen. Ich bin ab heute Abend auf Einladung der Athens Hotel Owners Association in der Stadt, werde Ihnen demnächst sicher noch so manch ausserordentliches Haus vorstellen können.

Doch bis dahin bin ich quasi `idiotiko´, das heisst privat unterwegs, und bin ergo in meinem ganz persönlichen Lieblingshotel abgestiegen. Und das möchte ihnen gerne wärmstens ans Herz legen. Denn darum geht´s schliesslich in einem `Blog´, die persönliche Anschauung des Autors zu lesen, wenn Sie schon länger dabei sind dann wohl weil Sie meinen Geschmack teilen, oder zumindest wissen, wie er sich in Relation zu Ihrem verhält.

Das beste Hotel also. Was muss es können? Nun, speziell wenn man viel unterwegs ist, oder längere Zeit an einem Ort fern der Heimat verbringt sollte man sich dort zu Hause fühlen. Ist übrigens auch bei kürzeren Aufenthalten von Nachteil.
Sofern man nicht zu jenen beneidenswerten Zeitgenossen gehört, denen die Menschen an ihrem Reiseziel eigentlich reichlich egal sind sollte es in einer, sagen wir mal: authetischen Umgebung gelegen sein. Dass man also was mitbekommt vom Alltag, dort wo man sich gerade befindet.
Und dann muss es auch noch so liegen, dass man all jene Orte leicht erreicht, wegen derer man dorthin gereist ist, wo man halt gerade ist. Ich persönlich erkunde eine Stadt am liebsten per pedes, so bekommt man am meisten mit vom Gefühl, Geruch, Geräusch einer Stadt und kann jederzeit, nicht ganz unwichtig für den homo photographis, schöne Bilder einfangen und sich ein Bild machen, welches relativ nahe an der Realität orientiert sein dürfte.
Na und wenn man dann auch noch eine grossartige Aussicht geboten bekommt wird man sich schon gar nicht beschweren oder?

Und genau so einen Ort habe ich in Athen mit dem Hotel Orion gefunden, vor Jahrzehnten schon, bin regelmässig `heimgekehrt´und habe ihn immer wieder so vorgefunden, wie er in meine, naturgemäss idealisierenden, Erinnerung gespeichert war. Oder sogar noch besser!
Maria und Kostas führen das Haus seit ich es kenne, anfangs als Pächter, seit einem guten Jahrzehnt nun schon als Eigentümer, und ihnen verdankt das Orion seinen unvergleichlichen familiären Charme. Und natürlich dem Rest der Familie, Töchter und Nichten sind durch die Rezeption gewachsen, als Sommerjob während des Studiums oder nebenher. Der `kleine Kostas´, ebenfalls aus Arta gebürtig, gehört als Nachtportier und Mann für Alles ebenso schon zum Inventar wie Michali der Baggerfahrer, der zwischen seinen Baustellenengagements auch immer wieder nach dem Rechten schaut.
Nur Lisa, die treue Hündin, die jeden Stammgast auch nach Jahren noch freudig schnuppernd begrüsste hat vor ein paar Jahren in biblischem Alter das zeitliche gesegnet.

Das Orion liegt auf dem Streffi Hügel über dem Viertel Exarchia, welches seinem schlechten Ruf in all den Jahren, die ich nun hier residiere, nie gerecht werden konnte. Durch die zahlreichen Universitätsstandorte rundum bedingt verfügt Exarchia über eine rege Lokalszene, wegen der fehlenden zahlungskräftigen Klientel speist und trinkt man hier zu absolut vernünftigen Konditionen. Andrerseits wohnen noch jede Menge echte alte Ather und Athenerinnen hier, teils in bescheidenen klassizistischen Mehrfamilienvillen, teils in schlichten Wohnhäusern aus dem Beton der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die sind zwar vielleicht kein Grund, in architektonische Verzückung zu geraten, aber mit ihren dicht bepflanzten Balkonen immer noch wesentlich unaufdringlicher als die gewollt modernen Bauten der Neuzeit.

Und am Samstag wird man von langsam anschwellenden Gemurmel geweckt, das sich bis neun Uhr früh zu engagiert vorgetragenen Anpreisen der am wöchentlichen Laiki angebotenen Waren steigert. „Ich habe schöne Paradeiser“ wird mit „Ich habe schönere“ gekontert, „Frischer Fisch“ mit „meiner ist frischer!“ In überdimensionalen rollenden Einkaufstaschen oder den allgegenwärtigen farbigen Plastiksackerln schleppen die Anrainer ihre Beute nach Hause, und am Abend, wenn der Spritzwagen die letzten Spuren des Markttages wegspült versammeln sich die Generationen zum gemeinsamen Mahl, sei es bei der Omi oder in einer der Tavernen in den Seitengassen. Und, eh ich´s vergess´, der Herr im Pantopoleion grüsst mich auch nach mehrmonatiger Abwesenheit immer wieder mit dem unvermeidlichen „pou eisai?“, wo warst du denn die ganze Zeit?!

Dieser Beitrag wurde am 2014/05/08 um 10:04 veröffentlicht. Er wurde unter athen, griechenland, PRIVATE COLLECTION abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „PRIVATE SELECTION – ATHEN HOTEL ORION

  1. Claus Riedl sagte am :

    Jetzt hab ich doch echt Lust auf Athen bekommen. Hätte ich gar nicht gedacht…

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