homolka_reist

nur mut! (pt.1)

Es gibt viele gute Gründe, Tunesien zu bereisen. Aber leider auch einen, es bleiben zu lassen. Wie soll man sich entscheiden?

Das momentan offensichtlich gestiegene Risiko, als Urlauber im Zuge der islamistischen Gegenoffensive zum Arabischen Frühling zu Schaden zu kommen, wiegt schwer. Schwer genug, dass wir uns die Frage gestellt haben: Können wir Ihnen eine Reisestory über Tunesien zumuten? Ihnen das Land ausgerechnet jetzt ans Herz legen? Nach reiflichem Überlegen, Abwägen und vielen Gesprächen kamen wir zu einer Antwort: Ja, wir können. Wir finden sogar: Wir müssen.

Warum? In schwierigen Zeiten sollte man Freunden zur Seite stehen. Und als solche haben sich die Tunesier immer erwiesen. Egal, wo man sich im Land befindet, immer ist sofort jemand zur Stelle und bietet seine Hilfe an, freundlich, zuvorkommend, unaufdringlich. (Na gut, Einspruch angenommen, in den Souks versuchen die Händler ihr Verkaufstalent nicht immer zurückhaltend unter Beweis zu stellen.)

Fakt ist: Wer jetzt in Tunesien Urlaub macht, unterstützt die Bevölkerung in ihren Anstrengungen, den Radikalismus im Zaum zu halten. Tunesien hat bewiesen, dass sich ein totalitär regiertes Land ziemlich friedlich und zivilisiert seiner korrupten Staatsführung entledigen und mittels demokratischer Prozesse eine neue, von der Bevölkerung akzeptierte Regierung wählen kann. Dass dabei sogar der sonst in der Region von vielen für undenkbar gehaltene Konsens zwischen religiösen und laizistischen Kräften hergestellt werden konnte, darf als besondere Leistung und Beweis für die Reife des tunesischen Volkes gewertet werden.

Doch genau diese Besonnenheit und Bereitschaft zum Ausgleich sind religiösen Fanatikern ein Dorn im Auge.Sie sehen ihren Einfluss schwinden. Aber genau das ist es, was wir uns wünschen, hier im Norden, auf der anderen Seite des Mittelmeeres! Immer wieder hört man das Argument, man müsse vor Ort in Nordafrika helfen, um den steten Strom von Flüchtlingen einzudämmen. Also, lasst uns damit anfangen! In einem sehr bedeutenden Bereich – dem Tourismus.

Natürlich werden wir Ihnen jetzt nicht erzählen, machen Sie sich einfach keine Sorgen, legen sich furchtlos an einen Strand vor einem jener Luxusresorts, die genau das repräsentieren, was die Ideologen der Extremisten als Sinnbild dekadenten westlichen Lebensstils geißeln. Das wäre momentan vielleicht wirklich keine so gute Idee, da gibt es nichts zu verharmlosen.

Ist aber auch gar nicht nötig. Ganz im Gegenteil. Das tunesische Hinterland hat viel mehr zu bieten! Und genau dort, abseits der großen Städte und supertouristischen Badeorte treffen Sie jene Tunesier, die Sie mit ihrer traditionellen Gast- freundschaft überwältigen und dankbar willkommen heißen werden. Und dort passiert Ihnen genau gar nichts Böses.

Gastfreundschaft gehört ganz fundamental zur Kultur der Berber. Die bekanntesten Vertreter dieses stolzen Volkes sind wohl die Tuareg, die immer noch nomadisch leben, aber nur selten so weit im Norden anzutreffen sind. Doch auch in Tunesien sind die Berber weitaus stärker vertreten, als die Statistik es vermuten lassen würde. Sie haben sich immer schon mit den Herrschenden arrangiert, ohne ihre Identität aufzugeben, sehr pragmatisch, könnte man sagen. Und sie heißen Reisende seit eh und je willkommen, ob in der Wüste oder in einer jener Bergoasen in einem jener Täler, durch die alte Handelsrouten verlaufen.

So wie etwa in Tamerza, der größten Bergoase Tunesiens. Schon den Römern war sie unter dem Namen Ad Turres geläufig. Hier, in den letzten Ausläufern des nordafrikanischen Gebirgsrückens, hat sich ein Flusstal in den Fels gefräst, letzter Hinweis auf weit zurückliegende fruchtbare Zeiten. Und doch: Immer noch sprudeln hier ergiebige Quellen, sammelt sich Regenwasser, wenn sich im Winter die Wolken sogar an den niedrigsten Bergen aufstauen. Heute versucht man, diese wertvolle natürliche Ressource in Stauseen zurückzuhalten und damit die Wasserversorgung der kargen Landwirtschaft in der nahen Ebene zu verbessern. Früher wusste man die Niederschläge an Ort und Stelle zu nutzen. Der romantische Palmenhain von Tamerza und der alte Ort legen davon immer noch Zeugnis ab.

(Fortsetzung hier!)

Dieser Beitrag wurde am 2015/10/26 um 08:01 veröffentlicht. Er wurde unter tunesien abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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