homolka_reist

wie damals – nur besser

So mancher Leserin mag es ähnlich gegangen sein wie dem Autor, die nördliche Adria ist als Ort der ersten Begegnung mit dem Meer fest als Sehnsuchtsort verankert. Bei mir war es Mali Losinj, wo ich mit Pinienduft und Salzwasser geimpft wurde, angefixt könnte man auch sagen, die Sucht nach Süden blieb. Allerdings konnte die Einstiegsdroge bei sporadischen Besuchen über die Jahre nicht immer die gleiche Wirkung erzielen, vielleicht sind ja meine Ansprüche gestiegen. Doch als neulich ein paar Freunde meinten „komm, sattle deine KTM, der Winter war zu lang, das wird das erste schöne Wochenende“, und dann auch noch Losinj als Ziel vorschlugen, wo angeblich gerade ein fundamentales Upgrade der touristischen Installationen stattgefunden hatte, brauchte ich nicht mehr lange überlegen. Ich legte die Angorawäsche an, schwang mich auf die Adventure und ritt in der Morgendämmerung gen Süden.

Der Kvarner ist ja wirklich eine ideale Destination, um schnell schon mal dem Sommer voraus zu reisen, egal, ob aus Salzburg oder Wien, in vier, maximal fünf Stunden steht man vor der Fähre und schnuppert Hafenluft. Natürlich nicht alleine, stets leisten einem ein paar Wohnmobile Gesellschaft, doch diesmal war´s anders. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als sich doch glatt ein funkelnagelneuer Rolls Royce unter die Wartenden mischte, der stahl sogar den Porsches und Ferraris die Show. Sollten meine Freunde etwa doch recht haben, und Losinj neuerdings nicht mehr nur Traumziel von Birkenstockträgern und Schlauchbootfahrern sein? Dass sich was getan hat ist unübersehbar, die Hauptstraße über die Insel präsentiert sich frisch asphaltiert und begradigt, so schnell war ich noch nie am anderen Ende von Cres, und selbst die beiden kleinen Dörfer auf Losinj umfährt man heute großzügig. Rasch und -fast- ohne Umweg finde ich auch die Cikat Bucht, seit eh und jeh beliebt bei Badegästen und auch Ort meines ersten Adriastrandes inklusive Hotel im typischen Yugo-Stil, siebziger Jahre Disco und Grilltaverne. Und jetzt?

Nichts dergleichen, die Hotels in der Bucht strahlen frische renoviert, die Gründerzeitvillen des Alhambra verströmen schon beim ersten Anblick Fünf-Stern-Atmosphäre, das Personal empfängt zuvorkommend und herzlich, aber ohne die manchmal entspannte Urlaubsstimmung verhindernde Förmlichkeit. Der Bell Boy erkundigt sich, ob er meine KTM in der Tiefgarage verschwinden lassen dürfe. Richtig, bis auf den Shuttle Bus des Hotels verunziert kein Kraftfahrzeug das Ensemble, auch der Royce ist noch nicht da. Der wäre zwar eine Zier, doch den Parkplatz unter dem Haus verschwinden zu lassen ist zweifelsohne eine lohnende Idee. Überhaupt haben die Architekten im neu errichteten Trakt, der die Villa Alhambra mit der Augusta verbindet all das untergebracht, wovon selbst die verwöhnten Gäste zu Kaisers Zeiten nicht zu Träumen wagten. Abgesehen von der Rezeption mit Blick über die Bucht wären da ein weitläufiges Restaurant, der nicht weniger beeindruckende Weinkeller, und die Verbindungsgänge die es erlauben, unpeinlich in Bademantel und Schlapfen vom Zimmer den Strand, Pool und jene Räumlichkeiten zu erreichen, deren Bezeichnung vor hundert Jahren noch gar nicht existierte: den Wellness Bereich.

Ich werde in die Villa Augusta geleitet, mit dem spärlichen Motorradgepäck wirkt der Lakai etwas unterbeschäftigt, dafür kann er seine Zimmereinschulung umgehend in Angriff nehmen. Im starken Kontrast zur dezenten Fin-de-Siecle Eleganz des Äußeren spielt die Suite innen alle Stückerln, die vorprogrammierten Lichtstimmungen sind vielleicht ein Bisserl Nouveau Riche, die riesige Wanne im Boden beheizten Badesalon nehm´ ich aber gerne. Nachher dann. Erst mal muss ich natürlich ins Meer! Liegt ja direkt vor dem Haus, die Klippenküste hat man architektonisch einwandfrei mittels Plattformen und Decks entschärft, herrlich, so kann ich gleich elegant in die Fluten köpfeln. Die perfekte Wassertemperatur ist das zwar noch nicht, die zweiundzwanzig Grad, nach ein paar Längen mache ich es mir auf einer der Sonnenliegen bequem, sofort reicht man mir Badetuch und Aschenbecher, so lässt sich´s aushalten.

Wir sind schließlich komplett, auch die Harleys haben die kurvige Anreise und die Zugbrücke bei Osor bewältigt, der Royce schon im Souterrain verschwunden. Der Sonnenuntergang legt eine kleine Volta auf der Promenade durch den Pinienwald nahe, gemütlich entlang der Küste wandernd erreicht man so eine Vielzahl von Bars, Cafés und Restaurants, die praktischer Weise mit den Hotels kooperieren so dass, so man Halbpension oder gar mehr gewählt hat, einem Abendessen an der Wendemarke nichts im Wege steht. Wir landen schließlich im Veli Zal Restaurant in der nächsten Bucht, auch die beiden Hotels dort haben ein großes Service erhalten und bei der Gelegenheit gleich mal zweihundert Betten verloren. Klar, mehr Luxus geht halt leichter mit weniger Gästen. Dementsprechend verlockend wartet das Antipasti Buffet, wir bedienen uns reichlich, hätten wir nicht sollen, jeder weitere Gang hält, was der davor versprochen hat, wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen.

Das sollte sich auch das ganze Wochenende nicht mehr ändern, Küche und Keller können´s hier überall, kleine Ausflüge per pedes müssen neuen Platz schaffen. Die geographischen Gemeinheiten der tief eingeschnittenen Buchten lassen allerdings den einen oder anderen Abschneider quer über die Halbinseln angeraten sein, etwa ins malerische Veli Losinj hinüber, das sich zwar “ großes“ nennt, aber das Kleine ist, oder ins grosse Kleine Mali. Dorthin bringt einen auch das Boot, meist völlig problemlos. Anders erging es vor über zwei Jahrtausenden jenem Schinakkel, das eine wertvolle Bronzeskulptur aus Hellas einem wohlhabenden Römischen Auftraggeber liefern sollte. Offensichtlich geriet man in einen Sturm, ob das Schiff brach oder die Crew sicherheitshalber die schwere Last über Bord warf ist unklar. Jedenfalls lag sie unentdeckt auf 45 Meter Tiefe, bis ein Taucher 1996 ihrer ansichtig und sie drei Jahre später geborgen wurde. Die als Hrvatski Apoksiomen zu Berühmtheit gelangte Statue eines „Abkratzers“, den das wäre die korrekte Übersetzung der griechischen Bezeichnung Apoxiomenos, stellt einen olympischen Athleten dar, der sich mit Hilfe eines Strigilis genannten Instruments das Gemisch aus Schweiß und Staub abschabt, welches sich beim Ringkampf auf seinem Körper angesammelt hat. Dieses Heldenextrakt wurde dem Vernehmen nach teuer gehandelt, auch die in Losinj gestrandete Figur dürfte wohl der Heldenverehrung gedient haben. Der tatsächlich wunderschönen Gestalt hat man, völlig zu Recht, in der Hauptstadt ein Museum gewidmet, der neu adaptierte Kvarner Palast ist alleine schon wegen der inspirierenden Architektur einen Besuch wert. Dramatisch inszeniert sie das einzige Exponat des Hauses, erzählt von den Handelsrouten der Antike, der Fundgeschichte und Bergung, bevor man endlich vor ihm steht: dem antiken Beau mit dem straffen Po!

Stimmt also alles, was man so hört. Losinj wandelt sich, eindeutig zum Besseren, liegt aber noch immer quasi vor der Haustür. Halt auf der anderen, schöneren Seite der Alpen, am Meer, ideal, um schnell mal Nachschau zu halten, wo sich der Sommer versteckt hält. Man kann übrigens auch hinfliegen, ist aber auch auf der Straße schnell dort, muss ja nicht unbedingt gleich eine KTM sein. Ist aber sicher die schnellste Variante!

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Dieser Beitrag wurde am 2017/03/06 um 12:42 veröffentlicht. Er wurde unter kroatien, kvarner, losinj, SALZBURGER NACHRICHTEN abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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