homolka_reist

auf nach scheria, geniessen mit den phäaken

Irrte Odysseus noch jahrelang durch die Meere, bevor er endlich Scheria, die Insel der Phäaken entdeckte, landen wir heute einfach 1, 2, Fly, mit dem Charterflieger auf Korfu. Was sich nicht geändert hat sind die lukullischen Erfahrungsberichte, die man von dort mitbringt.

Fragt man Manos Nathanail, der sich als Journalist und Herausgeber einer kulinarischen Zeitschrift zeitlebens mit der Materie befasst hat, nach Besonderheiten der korfiotischen Küche beginnt er seine Ausführungen mit Homer. Griechen bedienen sich ja gerne ihrer neiderregend lange zurück reichenden Geschichte, dank des blinden Dichters ist diese auch schriftlich belegt. Man darf also annehmen, dass Homers Phäaken auf Korfu lebten, immerhin hat Odysseus von dort aus in kürzester Zeit seine Heimatinsel Ithaca gefunden. Die Phäaken werden als überaus gastfreundlich geschildert, auch das trifft auf die Korfioten immer noch zu, ganz im Gegensatz zu den Zyklopen, die er und seine Getreuen davor getroffen hatten, ein ausgesprochen unkultiviertes Völkchen. Nicht nur, dass sie einige Crewmitglieder verspeist hatten verstört, noch schlimmer wiegt scheinbar die Tatsache, dass sie dies im rohen Zustand taten. Offensichtlich war das Kochen den Griechen schon immer ein wichtiges Zivilisationsmerkmal, selbst wenn es um ihre Mitbürger ging.

Im Laufe seiner Schilderungen lässt Manos aber noch etliche weitere Völker zum kulinarischen Erbe der Insel beitragen, nur die Osmanen kommen nicht vor. Worauf man auf Korfu zu Recht stolz ist, als einzige Insel des jetzigen Griechenlandes konnten die Türken hier nie landen. Dafür hat die Serenissima deutliche Spuren hinterlassen, kein Wunder, vier Jahrhunderte lang nutzten sie die Insel als Relaisstation zwischen ihrer Lagune und dem Heiligen Land. Da sie für den Truppentransport zu den Kreuzzügen nur Retourtickets ausgaben jedoch nur die wenigsten Krieger ihren Platz auf den venezianischen Galeassen tatsächlich für die Heimreise beanspruchten blieb reichlich Stauraum, um Beute zu laden. Darunter natürlich reichlich Gewürze, kaum bekannt im Abendland und natürlich sündhaft teuer.

Apothekerpreise haben sie verlangt, könnte man sagen, und im Gespräch über Pastitsado, einen typischen, aus venezianischer Tradition stammenden Eintopf, und die hierfür nötigen Spetserika, Gewürze, landen wir schliesslich genau dort, in der Apotheke nämlich, konkret im Pharmakeio Karmela Deleonardou. Die Korfioten sind überzeugt, dass Gewürze überall in der Apotheke verkauft würden, Magistra Allegri, die sich über die genaue Zusammensetzung der fünfzehn Ingredienzien ausschweigt, fände das auch richtig, dass sie als Apothekerin dafür zuständig sei liege auf der Hand, die Wechselwirkung der unterschiedliche Phenole müsse man nämlich kennen, schliesslich seien die meisten Gewürze ja eigentlich Heilpflanzen. Was natürlich nicht erst die Venezianer entdeckt hatten, schon Hippokrates und Galen erkannten den Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit, auch die Alegris sehen ihre Aufgabe als Pharmazeuten eher in der vorbeugenden Gesundheitsvorsorge denn im Behandeln. Wenn das dann auch noch kulinarische Freuden mit sich bringt, umso besser, bewusst entspannter Genuss scheint ja ohnedies eines der Geheimnisse der Mittelmeerdiät zu sein.

Also ist die Küche Korfus von der italienischen beeinflusst? „Ganz im Gegenteil, die italienische wäre ohne die griechische undenkbar“, erhebt Agathi Vlassi entschieden Einspruch. Von der Terrasse ihres Bauernhofes „Vioporos“ blickt man über den schmalen Korission See auf das Ionische Meer, bis zum Absatz des italienischen Stiefels sind es nur 50 Seemeilen, auch drüben in der Grecia Salentina kocht man altgriechisch. „So wie drüben Menschen leben, die nach dem Fall von Byzanz vor den Osmanen flüchteten, sind auch nach Korfu Griechen aus Zypern, Kreta und vom Festland gekommen, und haben ihre Rezepte mitgebracht.“ Viele der für die Europäer neuartigen Gewürze kannten sie schon aus Kleinasien, in der „politiki kouzina“ Konstantinopels fand und findet man einen Reichtum an Aromata, welche erst langsam wieder in den Küchen des neuen Griechenlands einzieht. Ausser auf Korfu, offensichtlich haben sich auch die zahlreichen fremden Herrscher immer gerne daran delektiert.

Agathi und ihr Mann stammen von der Insel, haben dann in Athen studiert und gearbeitet, bis es sie um 1990 wieder zurück zu den Wurzeln gezogen hat und sie sich hier ein kleines Paradies eingerichtet haben. „In´s Kochbuch hab ich das letzte Mal als Teenager geschaut, dem von Sophia Skouras, das damals jede Mutter ihrer Tochter als Vorbereitung auf die Ehe geschenkt hat! Aber seit damals koche ich aus der Erinnerung an Geschmäcker, mit dem, was gerade reif ist, Gerichte, die ich seit meiner Kindheit auf Korfu kenne.“ Wobei sie auch gleich betont, dass „natürlich“ oben in den Bergen im Norden ganz anders gekocht wird, als hier im flachen Süden, selbst auf einer kleinen Insel findet sich immer eine Gelegenheit subtile Unterschiede zu finden.

Vasiliki Karounous Zugang zur Korfiotischen Küche ist ein gänzlich anderer als jener von Agathi Vlassi, sie hat nicht nur Kochbücher gelesen, sondern sogar eines verfasst. Mit der Hilfe von Manos Nathanail ist sie auf Spurensuche gegangen, ihr „Corfiot Cuisine – In Search of the Origins“ ist nicht nur eine Sammlung typischer Rezepte sondern beschäftigt sich auch mit der Kulturgeschichte dahinter. Die geborene Spartanerin landete Anfang des Jahrtausends auf Korfu, ihr Auftrag war es eigentlich, das lokale Gesundheitssystem zu analysieren und auf Vordermann zu bringen. Dass ihr Interesse daran allmählich nachliess liegt einerseits, wie könnte es anders sein, an dem Mann, den sie hier kennen lernte, andrerseits an der üppigen Natur und den verlockenden Möglichkeiten, den die Kombination beider Elemente versprach. Der Gatte stammt nämlich einer alten Bauernfamilie ab, die teils brach liegenden Güter hat Vasiliki rasch wieder zu neuer Blüte erweckt, unter dem Namen „Ambelonas“ zu einem Fixstern am kulinarischen Firmament gemacht.. Und als sie in ihrer Eigenschaft als Prozessanalytikerin 2003 einen Vortrag über neue Marketingstrategien für griechische Produkte hielt war sie die Erste, die daraus Lehren zog und ihr eigenes Label Accordo gründete.

Natürlich gibt´s auch Wein auf Korfu, vom soliden bäuerlichen Tropfen aus der Cooperative wie bei Gramenos bis zu raffinierten, aristokratischen Weinen denen selbst James Bond zugeneigt ist. Der bestellt in der auf Korfu gedrehten Episode „For your Eyes only“ ausdrücklich einen „Theotaki Aspro“. Eine standesgemässe Wahl für den Agenten ihrer Majestät, ist die Familie Theodoky, der kleine Sprachfehler sei 007 verziehen, doch schon im „Libro d´Oro“, dem venezianischen Adelsverzeichnis, gelistet. Dementsprechend beeindruckend ist das Anwesen in der Ebene von Ropa, das geeignete Terroire seit Jahrhunderten in Familienbesitz. Und während Gramenos oben in den Bergen die, nomen est omen, schwer zu pflückenden Kakotrygis Trauben verarbeitet und so einen D.O.C. Wein keltert verzichtet Theotoky auf die Ehre und verleiht dem Wein mit dem fruchtigen Robola seine elegante Note.

So findet er sich natürlich auch auf der Karte der „Salto Wine Bar“ in der Stadt. Pavlos Souareff hat sich sein eigenes Reich nach Lehr- und Wanderjahren zwischen Altstadt und Hafen eingerichtet, nebenher verpasst er dem Nachwuchs den letzten Schliff in Sachen Genuss an der lokalen Hotelfachschule. Den seltsamen Namen verdankt er seinen maltesischen Vorfahren, welche die Briten als Baumeister für den Gouverneurspalast mitgebracht hatten. Den umgekehrten Weg ging Aristoteles Megoulas, der Dank des UNESCO Jobs seines Vaters und einer französischen Mutter da und dort aufwuchs, in Bologna eher zufällig in Küche und Universität landete und mittlerweile mit seinem „Pomo d´Oro“ das gefragteste Restaurant der Stadt sein eigen nennt. Auch draussen am Land speist man übrigens ganz vorzüglich, im „Lemon Garden“ etwa, in Acharavi an der Nordküste verzaubert Athanasia Plotsika mit ihrer Neuinterpretation regionaler Klassiker. Nicht nur am Teller, auch in ihren Cocktails verbindet die Spartanerin die Aromen ihrer Heimat am Festland mit den blumigen Aromen der Insel.

Dabei stösst man unweigerlich auf eine weitere erfreuliche Überraschung: ihre Bier Cocktails nämlich! Der umtriebige Unternehmer Spiros Kaloudis hat doch tatsächlich eine lukrative Karriere und seine gesammten Ersparnisse geopfert, um auf seiner Insel erstklassiges Bier zu brauen. Die acht Biere der Corfu Mikrobrewery findet man mittlerweile überall in der gehobenen Gastronomie, Spiros kennt sie Alle, Chefs aber auch Produzenten, Imker, Fleischer und Gemüsebauern. Wenn man mit ihm bei Tisch über die Korfiotische Küche plaudert versteht man, dass es ihm und seinen Freunden um mehr geht, als einfach nur gutes Essen zu verkaufen. Sie leben die Phäakische Tradition als perfekte Gastgeber, dass sie dabei auch ihr eigenes Leben ein Bisschen mehr geniessen können sei ihnen vergönnt.

ANREISE

Mit TUI kommt man ganzjährig nach Korfu, sogar in der Nebensaison, da nutzt man fremde Flieger. Ab 14. Mai fliegt man dann mit AUSTRIAN und NIKI Dienstags und Samstags von Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck direkt nach Korfu, Flug und Hotel für eine Woche gibt es ab etwa 300 Euro.

WOHNEN
Marbella Beach Hotel
Das Luxus Resort an der Westküste bietet jeden erdenklichen Komfort sowie einen unschätzbaren Vorteil: den direkten Meerzugang! So kann man sich schon bei Sonnenaufgang in die Fluten stürzen, bevor man sich durch die Insel völlert. Nimmt man die kulinarische Entdeckungsreise jedoch zu ernst, wird man kaum das vielfältige Angebot der drei Restaurants auskosten können.
Für die Junior Suite mit Meerblick zahlen Frühbucher 140 Euro pro Nacht, TUI bietet das Haus ab 632 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Halbpension an.

ESSEN
Steki
Das romantische Bergdorf Doukades, an der Strasse nach Palaiokastritsa gelegen, bietet neben authentischer Atmosphäre am Hauptplatz gleich vier hervorragende Tavernen. Von den Einheimischen wird das „Steki“ favorisiert, dort speist man erstens besonders gut, ausserdem hat man das halbe Dorf im Auge.
To Steki, Platia, 49083 Doukades, +302663041701

Lemon Garden
Unter duftenden Zitronenbäumen im Garten einer klassizistischen Villa sitzt man hier in Acharavi an der Nordküste. Entweder zu leichten Snacks, bei originellen Cocktails zum Sundowner, oder man gibt sich einem ausgiebigen Menú am Abend hin, dann sollte man allerdings tunlichst nicht mehr weit nach Hause haben!
Lemon Garden Restaurant & Bar, Acharavi, 49081 Corfu, +30266306446

Ammos
Der ideale Ort, um den ganzen Tag den Strand nicht verlassen zu müssen! Leo Kaloudis serviert erstklassige Snacks, vor allem aber perfekt gezapfte Biere der lokalen Brauerei seines Cousins. Und das von früh bis spät, auch an die stylischen Strandliegen!
Ammos Arillas Beach Bar, 49081 Arillas, +302663051450

Salto
Pavlos Souaref hat seine Weinbar absichtlich so eingerichtet, dass man mit anderen Gästen ins Gespräch kommt. Und sich so über die Schätze seines Kellers unterhalten und die, auf lokalen Spezialitäten basierenden, Gerichte auch einhändig geniessen kann. Oder man nimmt draussen Platz und beobachtet das Treiben im Hafen.
Salto Wine Bar Bistro, Douselot 23, 49100 Corfu, +302661302325

Pomo d´Oro
In seinem Restaurant auf einem venezianisch anmutenden Plätzchen in der Altstadt serviert Aristotelis Mergoulas perfekt exekutierte Mittelmeerküche mit starken korfiotischen Wurzeln. Hoffentlich noch lange, verlockende Angebote aus Italien möge er bitte ausschlagen, Korfu und seine Gäste werden´s ihm danken!
Pomo d´ Oro Wine Restaurant, Pl. Skaramanga 13, 49100 Corfu, +30266102680

KOSTEN

Ambelonas
Auf diesem Gut inmitten des grünen Zentrums der Insel kann man entweder aussichtsreich zu Abend speisen, oder sich von Vasiliki Karounou in die Geheimnisse der korfiotischen Küche einweihen lassen.
Ambelonas Corfu, 49100 Karoumbatika, +30693215888

Vioporos
Bei den Vlassis kann man auch Urlaub am Bauernhof machen, zwei kleine Häuschen haben sie dafür gebaut, vom Balkon blickt man über See und Dünen aufs Ionische Meer im Westen. Zum Frühstück spaziert man durch Olivenhain und Gemüsefeld, einfach der Nase nach, Agathis Kochkünste sind unwiderstehlich.
Bioporos Rural Tourism, Korrission Lake 49080 Chlomatiana, +302661076224

Theotoky
Einen Eindruck von der vergangenen venezianischen Pracht bekommt man am Gut der Theotokys, dem ältesten der Insel. Während die kleinen Weinbauern mühsam am Berghang ernten liegt der Lesehof der Aristokraten am Rand einer fruchtbaren Ebene. Über dem Keller kann man die umfangreiche Bibliothek mit Werken über die Geschichte der Insel und der Familie besichtigen.
Theotoky Estate, Ropa Valley, 49100 Gianades, +306945593016

Melissokomiki Kerkyras Vasilakis
Panagiotis Vasilakis hat einen kleinen Umweg über Athen und Harvard gewählt, bevor er auf Korfu zur natürlichsten Methode gefunden hat, das süsse Leben zu geniessen: er lässt die Bienen für sich Arbeiten. Dank seiner Hilfe werden daraus erstklassiger Berghonig sowie Propolis und Leckereien.
MKB Vasilakis, 49100 Batos, +302661095148

Fleischerei Michalas
Das Lokal ist ein Traum für alle Karnivoren, hier hängt der Himmel voller Würste! Gekochtes, Geselchtes, Geräuchertes, und vor Allem Nouboulo, der einzigartige korfiotische Lungenbraten.
L&A Michalas, Lakones, 49083 Doukades, +302663042125

Farmakeio Karmela
Magistra Alegri Deleonardou mixt ihre Gewürzmischungen nach geheimen historischen Rezepten in ihrer Apotheke, man findet das hier ganz normal. Auf Kasse gibt´s die Spetserika allerdings nicht.
Farmakeio Karmela Deleonardou, Theotoki Georgiou St. 56, 49100 Korfu, +302661039520

Corfu Beer
Man kann in der kleinen Brauerei natürlich auch verkosten, aber am Besten kommt man während des jährlichen Oktoberfests nach Arillas. Ja, das gibt es hier tatsächlich, jedes Jahr mit einem anderen Partnerland, 2016 kommen die Italiener.
Kerkiraiki Mikrozithopeio, 49081 Arillas, +30266305072

 

KORFU_FOOD_DiePresse

Dieser Beitrag wurde am 2016/05/02 um 11:32 veröffentlicht. Er wurde unter foodporn, griechenland, inseln, korfu abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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